Bralove – passende BHs in allen Größenbereichen

Wie ihr in meinem letzten Artikel lesen konntet, habe ich nichts gegen Onlineshops 😉 Ich arbeite jetzt sogar mit einem zusammen. Meine Sale-Artikel findet ihr im Shop von Bralove. Und damit ihr seht, weshalb ich mich für diese Kooperation entschieden habe, habe ich das Bralove-Team um ein Interview gebeten. Es geht um ihre Motivation und ihre Wünsche für die Zukunft, aber auch um kritische Fragen…

Anne-Luise: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Onlineshop mit Unterwäsche zu eröffnen? Es gibt da ja schon einige… Was unterscheidet euch von ihnen?

Bralove: Die Idee, einen Onlineshop zu gründen, kam zunächst durch eigene Erfahrungen mit dem Thema Brafitting und durch die Suche nach dem einen passenden BH. Es war eine Suche, die immer häufiger im Ausland endete. Irgendwann wurde die Frage laut: wie kann das sein? Was haben die, was wir in Deutschland nicht haben? Der Rest lief klassisch: Es gab ein Treffen im Kölner Brauhaus und nach 3 Kölsch wurde die Geschäftsidee nicht etwa auf den Bierdeckel niedergekritzelt, sondern ins Smartphone eingetippt.

Die Gründungsidee entstand also mit Blick auf die britischen Onlineshops, deren Philosophie in Deutschland noch nicht so richtig angekommen zu sein scheint – daher nehmen wir das Zepter jetzt selbst in die Hand. Unser Ziel ist es, mehr als ein reiner Online-Katalog mit Bestellmöglichkeit zu sein. Wir liefern den Kund_innen Informationen, treten in den direkten Dialog und bieten einen umfassenden Service. Größentabelle, Fitting Video und unsere Fitting Tipps sollen helfen, Berührungsängste mit dem Thema BH-Fitting abzubauen.

Die Auswahl der Hersteller_innen ist nicht einfach, neben den klassischen Traditionsmarken gibt es immer mehr Indielabels und auch ausländische Hersteller_innen, die viele verschiedene Größen und Schnitte anbieten. Nach welchen Kriterien habt ihr eure Marken ausgesucht?

Wir bieten nur Produkte an, von deren Qualität und Passform wir überzeugt sind. Produkte, die wir mit gutem Gefühl in unser Sortiment aufnehmen können und mit denen unsere Kund_innen lange Freude haben werden. Wir bevorzugen Marken, deren Größenspektrum weitreichend ist – unser Fokus liegt hier aktuell ganz klar auf britischen Labels. Außerdem achten wir darauf, Modelle von Hersteller_innen auszuwählen, die (in allen Größenbereichen) mit dem Trend gehen, hübsch aussehen und ja, die man beim Bummel durch die Einkaufspassage eben nicht finden würde. So haben z.B. Longlines dieses Jahr bei uns Einzug erhalten.

Agnes vom Brafitting-Studio „Formsache“ hat in einem Interview mit dir mal folgenden Satz geäußert:

Wir müssen anfangen „ehrliche“ Wäsche anzubieten. Produkte, die sich wirklich an den Bedürfnissen von Frauen orientieren und nicht nur so tun als ob.

Dem haben wir eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Sollten Leser_innen sich für die Zukunft bestimmte Marken oder Modelle wünschen, freuen wir uns sehr über eine kurze Mail. Gerne versuchen wir Wünsche zu berücksichtigen.

Und wohin möchtet ihr euch langfristig entwickeln (z.B. im Bezug auf Hersteller/Größen/Modellangebot)?

Unsere Vorbilder sind sicherlich die britischen Anbieter, wie Bravissimo, Figleaves oder Brastop. Unser ganz klares Ziel: allen Größenbereichen eine adäquate Auswahl ermöglichen. Dies wird eine gewisse Zeit dauern aber mit jedem BH, den wir verkaufen, bekommen wir die Möglichkeit das Sortiment zu erweitern und kommen damit unserem Ziel einen Schritt näher. Für uns geht vieles aktuell sehr schnell, du darfst nicht vergessen, dass wir gerade erst ein gutes halbes Jahr am Markt sind. Wir haben bisher nur tolle und positive Resonanz erfahren, können aber auch nur einen kleinen Schritt nach dem anderen machen.

Sicher ist, dass BHs bei uns nie zu einer Kategorie verkommen werden, sondern immer unser alleiniger Fokus bleiben. Nur so können wir den Kund_innen gewährleisten, Experte für diese Nische zu sein und uns von anderen Marktteilnehmern abgrenzen.

Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass online auch gute Beratung gewährleistet werden kann, weil man sich ja nicht persönlich trifft. Gibt es da von eurer Seite Angebote, wenn sich jemand mit der Größe noch nicht so ganz sicher ist?

Online kann sicherlich nicht das leisten, was eine qualitativ hochwertige und empathische BH-Beraterin im persönlichen Gespräch leisten kann. Da machen wir uns gar keine Illusionen und den Anspruch werden wir auch nie haben. Wir können aber für viele einen ersten Anlaufpunkt darstellen, wir können informieren und aufklären – wir bieten die Möglichkeit, sich langsam an das Thema Brafitting heranzutasten. Wir sind kein anonymer Online-Shop und freuen uns sehr über Besuch. Regelmäßig kommen Kund_innen bei uns vorbei und sind dankbar, dass es in Köln und Umgebung nun auch ein breites Größenspektrum gibt. Darüber hinaus beraten wir per Telefon, E-Mail oder Skype.

Onlineshops werden vom klassischen Einzelhandel oft kritisch betrachtet. Worin seht ihr die Hauptgründe? Ist die Skepsis berechtigt? Und was können wir tun, um Vorurteile abzubauen?

Der Online-Markt stellt eine enorme Konkurrenz zum klassischen stationären Einzelhandel dar, insbesondere wenn man sich die jährlichen Wachstumsraten anschaut. Niemand ist glücklich über Konkurrenz. Wenn diese dann auch noch eine größere Auswahl, bessere Preise und eine ständige Abrufbarkeit bietet, ist der Bösewicht schnell gefunden. Dies ist allerdings eine sehr starre Betrachtung der Wirklichkeit.

Wir leben zum Glück in einer freien Marktwirtschaft, in der die Handelslandschaft stetigen Veränderungen unterliegt. Dabei ist es die Aufgabe eines jeden Händlers, sich auf diese einzustellen und für sich zu nutzen. Die Homepage wird zum zweiten Schaufenster, Social Media Profile zum neuen Werbeflyer, Suchmaschinen zu den neuen Vertretern und diverse Apps ermöglichen eine schnelleres Word-of-Mouth-Marketing als jemals zuvor.

Ein klassischer Einzelhändler, der es schafft, seine Kund_innen im Netz abzuholen, sie im Geschäft qualitativ hochwertig zu beraten und sie bis zum nächsten Einkauf online zu begleiten, für den ist die digitale Welt sicherlich kein Schreckensgespenst.

Stationäre Händler dürfen sich der Online-Welt nicht verschließen, aber hier sind sich hoffentlich mittlerweile alle einig.

Die Wäschebranche gilt als eingestaubtes Business. Seht ihr das auch so? Oder tut sich vielleicht nach eurer Erfahrung gerade etwas am Markt?

Das ist aber eine gefährliche Frage. Man muss immer aufpassen mit Vorurteilen und Pauschalisierungen. Es gibt am Markt die tollsten und engagiertesten Läden, die es schaffen, dass Kund_innen mit einem Lächeln den Laden betreten und mit einem noch breiteren Lächeln den Laden wieder verlassen, das ist toll! Aber wie überall im Leben gibt es auch hier Negativbeispiele, bei denen deine Frage leider mit Ja zu beantworten ist.


Bei der Dessousbranche in Deutschland handelt es sich um einen stark segmentierten Markt, der sich unserer Meinung nach gerade am Anfang eines Konsolidierungsprozesses befindet. Hierbei müssen die kleinen Akteure aufpassen, dass Sie nicht aufgrund einer immer stärkeren Expansion Größerer irgendwann komplett vom Markt verschwinden. Die einzige Möglichkeit sehen wir hier in der Kooperation Einzelner, um so Skaleneffekte zu erreichen, die eine Konkurrenzfähigkeit zulassen.

Was brauchen die Kund_innen, um sich (wieder) für schöne Wäsche zu interessieren?

Unsere Meinung: Die Wäsche muss hübsch sein. Die Wäsche muss es in allen Größenbereichen geben. Sie muss passen. Die Beratung muss gut sein und das Wichtigste: JEDER Mensch darf sich in hübscher Wäsche wohlfühlen. Wir finden, da gibt es noch viel Nachholbedarf. Es muss Spaß machen, Wäsche an- und auszuprobieren und ich muss mich als Kund_in dabei wohlfühlen können und dürfen. Dies ist unseres Erachtens ein Schlüssel in die richtige Richtung. Nur wenn ich mich während des Einkaufs wohlfühle, bin ich bereit auch neue Dinge auszuprobieren.

Viele Menschen fühlen sich mit einem wachsenden Druck konfrontiert, einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Wie kann die Wäschebranche da entgegenwirken? Und was können wir im kleinen eurer Meinung nach tun?

Zwei Fragen, die eigentlich einen eigenen Beitrag verdient hätte, aber wir versuchen möglichst knapp darauf zu antworten.

Wir leben in einer Welt, in der Informationen jederzeit und überall abrufbar sind. In einer zunehmend schnelllebigen Gesellschaft, in der aufgrund der stärkeren öffentlichen Präsenz eines jeden Einzelnen weniger Raum für das Individuum selbst bleibt. Kund_innen sind damit konfrontiert den einzelnen Trends und Erwartungen immer mehr gerecht werden zu müssen/wollen und doch Ihre Individualität nicht zu verlieren.

Diese Einflüsse führen dazu, dass Trends sich wesentlich schneller verbreiten aber auch eine kürze „Lebenszeit“ haben. Die Herausforderung für uns als Wäschebranche besteht darin, einerseits ein besseres Gespür für Trends zu entwickeln und uns diesen nicht zu verschließen, andererseits müssen wir es schaffen, die Individualität der Kund_innen nicht aus den Augen zu verlieren, sondern zu stärken. Wenn wir diesen Spagat meistern, haben wir einiges erreicht.

„Jeder soll sich so wohlfühlen dürfen, wie er ist“. Diese Message werden wir nur verbreiten können, wenn sich Kund_innen auf uns einlassen und dazu müssen wir zeitgerecht auftreten und dürfen uns Entwicklungen und Veränderungen nicht verschließen.

Vielen Dank an Anika und Sven für das interessante Gespräch 🙂 Ihr wollt mehr über Bralove erfahren? Auf der Webseite findet ihr zum Beispiel gute Fitting-Tipps und könnt euch ein Video anschauen. In den sozialen Netzwerken findet ihr Bralove bei Facebook, Twitter, Instagram, Youtube oder Pinterest.

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