„Das geht aber noch besser!“ – ein Frauenzeitschriftenrant

Unsere Leserin Dina wollte Frauenzeitschriften doch nochmal eine Chance geben. In Zeiten des Body Positivity Movements könnte es ja sein, dass sich da etwas getan hat. Eigentlich wünschte sie sich Inspiration in Sachen Mode und Wohlfühlen. Bekommen hat sie ein schlechtes Gewissen. Oder hätte es zumindest bekommen sollen. Warum? Das lest ihr am besten selbst in ihrem Gastbeitrag.

Hin und wieder kommt man ja auf seltsame Ideen. Meine letzte seltsame Idee war: „Ich bin eine Frau, möglicherweise sollte ich zumindest ein klein wenig wissen und mitreden können über Mode, Haare, Beauty, Wellness.“ Und so kam es, dass ich die erste Frauenzeitschrift seit 20 Jahren aufblätterte.

Ganz früher, als ich ein Teenager war, habe ich sie durchaus gelesen, die Mädchen und die BravoGirl, andere gab es noch gar nicht in der fernen Vergangenheit meiner Jugendjahre. Nur ins Erwachsenenalter habe ich sie nicht mitgenommen, die Themenbereiche der Frauenzeitschriften. Es gab ja so vieles, was um so viel interessanter war!

Und nun also ein Blick ins Heft. Und damit eine Menge Kopfschütteln und Wut über all die bösen Botschaften dort, die sich allesamt zusammenfassen lassen wie folgt: So, wie Du bist, bist Du nicht okay, Du musst an Dir arbeiten und Dein Äußeres optimieren!

Und dabei war es nicht einmal eine der Ausgaben mit Vorher-Nachher-Bildchen und der unvermeidlichen Forderung: Machen Sie das Beste aus Ihrem Typ! Es ging sogar ganz ohne Bikini-Figur-Diät ab. Die Bösartigkeiten kommen viel subtiler daher, in allerlei Handlungsaufforderungen, nun aber mal schleunigst was gegen die „fiesen Dellen“ am Oberschenkel zu unternehmen. „Sonst passiert was?“, frage ich mich, die ich mich nicht von Zeitschriften-Überschriften herumscheuchen lassen mag.

Auf Seite 94 dann investigativer Frauenzeitschriften-Journalismus vom Feinsten. „36 Prozent der Frauen haben Pigmentstörungen.“, steht dort, ganz unschuldig in einer Bildunterschrift; Thema ist „Das Geheimnis perfekter Haut“, denn etwas anderes als Perfektion ist selbstverständlich nicht zu dulden. Doch damit nicht genug: „30 Prozent akzeptieren sie einfach. Dabei können Sie viel dagegen tun!“

Na, das ist doch mal eine Frechheit. Akzeptieren diese Frauen einfach so ihre Pigmentstörungen, obwohl sie so viel dagegen tun könnten! Ich meine, was fällt denen denn ein? Akzeptieren das, leben ihr Leben, kümmern sich um ihre Karriere, bekommen Kinder oder machen ihren Doktortitel, verlieben sich, entlieben sich, lachen und weinen, und das alles, obwohl sie sich um ihre Pigmentstörungen respektive deren Bekämpfung zu kümmern hätten! Akzeptanz? Das geht ja GAR NICHT!

Oh doch, das geht. Und das geht noch sehr viel besser und leichter, wenn man sich der selbstwertuntergrabenden Botschaften von Frauenzeitschriften tunlichst entzieht und diese dorthin verbannt, wohin sie gehören. Ich bin dann mal kurz das Altpapier wegbringen.

One thought on “„Das geht aber noch besser!“ – ein Frauenzeitschriftenrant

  1. Besonders frech finde ich die Kioskabteilungen, die diese Frauenzeitschriften als Lifestyle bezeichnen und als Frauenzeitschriften die Glückspost und ähnliches. Fühl ich mich besser, nachdem ich Hannelores Schicksal gelesen habe? Die „Lifestylemagazine“ fördern ja wenigstens oberflächlich gesehen ein interessantes Leben.

    Neulich habe ich mir auch wieder so ein Heftchen (Glamour oder so) angetan. Die wenigen halbwegs interessanten Artikel waren erschreckend kurz und nichtssagend, ausserdem wird grundsätzlich alles nach 3 Jahren wieder durchgekaut. Das finde ich für Jugendzeitschriften noch halbwegs akzeptabel, die liest man ja auch nicht so lange. Aber sonst?

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