Geburtstag!!!

Ein Jahr ist es jetzt schon her, seitdem ich mit BH Lounge gestartet bin. Zeit für ein Resümee.

Ich kann mich noch genau an meine erste offizielle Kundin erinnern. Ich war wahnsinnig aufgeregt, denn sie hatte mich über das Internet gefunden und offenbar keine Ahnung, dass ich gerade erst gestartet war. Bisher hatte ich zwar schon im Freundes- und Bekanntenkreis viele Fittings durchgeführt und auch durch die Busenfreundinnen einiges an Erfahrung gesammelt, aber wenn man als Unternehmerin auftritt, ist das natürlich nochmal etwas anderes.

Erwartet die Kundin,dass ich ein Sortiment á la Figleaves oder Lace.de mitbringe? Wie zeige ich ihr, wie man einen BH richtig anzieht ohne mich auszuziehen? Oder wäre das vielleicht sogar gut, damit sie nicht alleine halbnackt dasteht? Wird sie mir überhaupt glauben, dass das richtig passt, wenn ich ihr zu einer Größe rate, von deren Existenz sie bis dato vermutlich noch nichts wusste?

Und wie erkläre ich die ganze Idee des Brafitting innerhalb von eineinhalb Stunden?

Mit diesen und ähnlichen Fragen zog ich los, nach den ersten Minuten der Beratung merkte ich jedoch, dass das alles nicht mehr wichtig war. Viel entscheidender für die Kundin war eine geschützte Atmosphäre, in der sie in aller Ruhe und über ihre Wünsche und bisherigen Schwierigkeiten bei der BH-Suche sprechen konnte.

Diese Atmosphäre zu schaffen, liegt mir sehr am Herzen. Viele Frauen haben bisher trotz Besuch im Fachgeschäft mit Auswahl bis zum EU H-Cup keinen BH gefunden, der ihre große Brust richtig stützt, andere wurden in die Kinderabteilung geschickt, da ihre Brust scheinbar auch die BHs in der kleinsten Größe nicht ausfüllt. Die meisten kennen den Satz „Das ist in Ihrer Größe eben so.“ sehr genau.

Ich möchte die Arbeit der Fachverkäuferinnen nicht schlecht reden. Sie arbeiten mit dem Sortiment, dass sie haben und versuchen, dabei das beste für die Kundin zu finden. Leider orientiert sich dieses…. Huch! Ehe ich mich’s verseh‘, habe ich auch schon eine Seite über das Problem des typischen Wäschekaufs geschrieben. Na, das gibt’s dann wohl nächstes Mal 😉 Erstmal wieder zurück zu mir.

Hannoveranerinnen haben grundsätzlich seltsame Brüste. Zumindest behaupten das alle, mit denen ich über BH-Shopping gesprochen habe. Vor einigen Jahren habe ich das selbst auch noch gesagt. Da ich die Enttäuschung über das hiesige Angebot und die Schlüsse, die man daraus für sich und den eigenen Körper zieht, aus eigener Erfahrung kenne, finde ich es total wichtig, meinen Kundinnen zu vermitteln, dass sie keine komplizierte Brustform haben, sondern dass das typische Angebot an Größen und vor allem Schnitten nicht ausreichend ist. Wenn hier etwas komisch ist, dann das Angebot der Hersteller! Für viele Frauen ist dieser Gedanke recht neu. Bei allen übrigen Kleidungsstücken geht man davon aus, im Laden durchschnittliche Größen zu finden, im Fachhandel ein erweitertes Sortiment. Wenn aber noch nicht einmal der Fachhandel weiterhelfen kann, liegt die Schlußfolgerung nahe, dass frau mit einer sehr speziellen Form und/oder Größe gesegnet ist.

Während für manche Frauen diese Erkenntnis total bahnbrechend und erleichternd ist, suchen andere einfach ganz pragmatisch nach einem BH, der passt. Ohne aufs Größenschildchen zu gucken, ohne SchnickSchnack im Design und auch ohne Einkaufstipps. Sie möchten nur eine Anlaufstelle haben, bei der sie immer fündig werden. Das ist natürlich genauso in Ordnung und verständlich.

Wie persönlich wird so ein Beratungsgespräch? Das ist eine ganz zentrale Frage, auf die man sich bei jeder Kundin neu einlassen muss, denn natürlich ist BH-Beratung eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich habe es selbst schon oft bei Besuchen in diversen Wäscheläden erlebt, dass man entweder gar keine Beratung bekam oder die Verkäuferin ungefragt am BH und sogar an der Brust herumgezuppelt hat. Insbesondere letzteres wollte ich gerne vermeiden und eine möglichst sachliche Beratung anbieten. Mit der Zeit habe ich ein ganz gutes Gepür dafür entwickelt, wann ich –  beispielsweise beim Trägerverstellen – helfe, und wann nicht. Gerade zu Beginn war ich in dieser Beziehung noch etwas unsicher, schließlich ist das Ziel, dass sich die Beratene wohlfühlt. Einfach mal zeigen, wie man selber den BH anzieht kann zuviel sein, wenn die Frau aber gerne möchte, dass man nochmal ihr Unterbrustband grade rückt oder den Körbchenrand glättet, wirkt zu große Zurückhaltung künstlich. Mit jeder Beratung lernte ich, natürlicher, selbstverständlicher, mit der Thematik umzugehen. Wenn dann eine Frau zu Beginn der Beratung noch ganz aufgeregt ist, sich die Aufregung aber im Laufe des Gesprächs legt, freue ich mich immer sehr.

… lest morgen weiter über meine ersten Gehversuche in Socialville, den Sport-BH, der zum liebsten Discobegleiter wurde und freut euch schonmal auf eine Preview meiner nächsten Projekte 🙂