„Embrace“ – Schönheit schützt nicht vor Selbstzweifeln

Am 11. Mai kommt die Doku „Embrace“ in die Kinos. Als ich den Trailer gesehen habe, dachte ich: „ Dieser Film ist wichtig.“ Er zeigt das, was ich täglich in meinem Job erlebe: Schönheit schützt nicht vor Selbstzweifeln. Der Film … Continue reading 

Mein Abschiedsbrief. An die Diätindustrie.

Liebe Diätindustrie,

wir müssen reden. Ich habe in der letzten Zeit viel über uns beide nachgedacht. Ich weiß noch, wie das war, als wir uns damals kennenlernten. Da sagtest du mir, was ich machen muss, um mich schöner zu finden. Und dass ich das machen muss, damit andere mich schön finden. Das sei wichtig für ein erfolgreiches, glückliches und generell akzeptables Leben. Und so gesund.

Ich habe das alles gemacht. Es war eine gute Partnerschaft mit dir, wir haben viel zusammen erreicht, ich fühlte mich fleißig und erfolgreich. Allerdings mochte ich damals eigentlich nur dich und nicht mich. Und wenn ich genau darüber nachdenke, war ich da am wenigsten dick – aber auch am wenigsten gesund. Continue reading

#AcceptEveryBody – Kein Applaus, bitte!

Ich war lange ein dickes Mädchen. Das war einfach so, es hat sich so ergeben. Im vergangenen Jahr habe ich abgenommen. Hosen, die mir in den letzten sechs Jahren gut gepasst haben, wurden auf einmal zu groß. Ich habe keine Diät gemacht. Ich sehe das mehr pragmatisch und ich habe zu meinem Körper in dieser Beziehung ein Vertrauensverhältnis: Wenn er etwas benötigt, wird er es mir sagen oder zeigen. Wenn ihm etwas zu viel wird ebenso. Wir haben da eine ganz gute Kommunikationsebene gefunden.
Ich glaube, dass Fettsein (für mich, bei anderen mag das anders sein) eine Funktion hat. Es entsteht nicht aus Faulheit oder weil man einfach Bock auf Essen hat. Man macht das, um sich ein wortwörtliches „dickes Fell“ anzufuttern. Mein Körper hat anscheinend beschlossen, dass ich dieses Fell jetzt nicht mehr brauche. Jedenfalls nicht so sehr. Nach sechs Jahren mit konstantem Gewicht nahm ich auf einmal ab. Ohne Diät.
Einige Menschen aus meinem Umfeld kommen damit nicht klar. Sie finden es ungerecht („Wie, einfach so? das müsste mir mal passieren…“). Sie freuen sich und gratulieren mir, wie zu einem Studienabschluss („Was für ein Erfolg! Da kannst du aber richtig stolz auf dich sein!“). Und sie meinen, mich anspornen zu müssen. („Und? Machst du jetzt so weiter?“). Ich verstehe das alles nicht.
Um derlei Wertungen zu vermeiden, habe ich einigen gar nicht von meinem Gewichtsverlust erzählt. Wenn man sich lange nicht gesehen hat und hauptsächlich telefoniert oder chattet funktioniert das ja ganz gut. Mir ist aber dabei aufgefallen, wie oft die Themen in alltäglicher Kommunikation um das Gewicht kreisen. Obwohl ich meine Veränderung lieber verschwieg, fingen die anderen an. Wieviel sie abnahmen. Wieviel sie zunahmen. Und dass dem Körper Maß geboten werden muss um das eine zu erreichen oder das andere wieder rückgängig zu machen.

Ich dachte mir „OK, wenn ihr schon darüber reden wollt…“. Ich erzählte, wie mein Körper und ich das machen. Und erntete gut gemeinte Ratschläge zum Thema Diät und Mäßigung. Die Menschen dachten, ich hätte zugenommen und wolle das nun rechtfertigen. Ich fühlte mich, als ob ich mit Wänden redete. Das hat mich traurig gemacht. Auch ohnmächtig. Und verwundert. Verwundert darüber, wer auf einmal mit Bodyshaming daherkommt und wie unvorstellbar es anscheinend ist, auf den eigenen Körper zu vertrauen. Dass man den Körper nicht als zu zähmendes Ungeheuer sieht, sondern als Medium, das einen durch die Welt trägt und dafür sorgt, dass man die Welt erleben kann.