„Gibt’s das auch für Männer?“ – Ein Gespräch mit Barbara Felten vom FrauenBranchenBuch

Barbara Felten ist Herausgeberin des FrauenBranchenBuchs für Hannover und die Region. Seit über 20 Jahren erscheinen die „Gelben Seiten“, in denen nur von Frauen geführte Unternehmen verzeichnet sind. Ich habe mit Frau Felten darüber geredet, warum heute nur scheinbare Gleichstellung … Continue reading 

Bralove – passende BHs in allen Größenbereichen

Wie ihr in meinem letzten Artikel lesen konntet, habe ich nichts gegen Onlineshops 😉 Ich arbeite jetzt sogar mit einem zusammen. Meine Sale-Artikel findet ihr im Shop von Bralove. Und damit ihr seht, weshalb ich mich für diese Kooperation entschieden habe, habe ich das Bralove-Team um ein Interview gebeten. Es geht um ihre Motivation und ihre Wünsche für die Zukunft, aber auch um kritische Fragen…

Anne-Luise: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Onlineshop mit Unterwäsche zu eröffnen? Es gibt da ja schon einige… Was unterscheidet euch von ihnen?

Bralove: Die Idee, einen Onlineshop zu gründen, kam zunächst durch eigene Erfahrungen mit dem Thema Brafitting und durch Continue reading

Formsache Brafitting – Dein neues BH-Gefühl!

Heute stelle ich euch meine liebe Kollegin Agnes Husein vor, die in Dieburg ein Brafitting-Studio mit dem schönen Namen „Formsache“ betreibt. Agnes legt, ebenso wie ich, Wert auf eine positive Atmosphäre, ohne Körperbewertung. Wir sprechen über Lieblings-BHs, Agnes‘ Herangehensweise an die BH-Beratung, aber auch über Chancen, die es für den Einzelhandel in unserem Business geben kann – wenn alle zusammenarbeiten.  Continue reading

IRIS Dessous & BH-Beratung in Leer – Das Dessousgeschäft, das dich zur Göttin macht!

  Heute möchte ich euch Sylwia Nawrot vorstellen, Inhaberin des Dessous & BH-Beratung-Studio „Iris“ in Leer. Ihr Motto: „Fühlen Sie sich wie eine Göttin in einem passenden BH!“, ein sehr schönes Motto, wie ich finde. Sylwia hat in Polen eine … Continue reading 

Dessous Diary vorgestellt – Ein Blog über schöne Wäsche und den kleinen Luxus für jeden Tag!

Heute möchte ich euch eine liebe Blogkollegin von mir vorstellen, Lea vom Blog Dessous Diary. Ihr kennt Lea bereits von einem Gastartikel zum Thema elfenhafte Lingerie in Nude, der vor ein paar Wochen auf BH Lounge Blog erschienen ist. Heute möchte ich ein bisschen mehr über Lea und Dessous Diary wissen und habe deshalb genau nachgefragt 😉

dessousdiarylogo

Anne-Luise: Hallo Lea! Schön, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst 🙂 Als erstes würde ich gerne wissen, wie du zum Thema Lingerie gekommen bist. Bei allen Frauen aus unserer Branche, mit denen ich bisher gesprochen habe, gab es da so eine eigene Geschichte. Einige haben sich schon immer für filigrane und besondere Designs begeistern können, andere haben selber einfach nie das passende „Drunter“ gefunden und begannen deshalb, sich mit Unterwäsche zu beschäftigen. Wie war das denn bei dir? (und vielleicht als anschließende Frage: Wie ist daraus Dessous Diary entstanden?)

Lea: Für schöne Dinge wie Mode, Dessous, Kunst, Dekoration konnte ich mich schon immer begeistern. Ich bin echt

Lea von Dessous Diary

Lea von Dessous Diary

ein Ästhet, wenn man das sagen kann. Ich sortiere Bücher nach Farben – ich bin da etwas verrückt. Eigentlich war schnell klar, dass ich etwas in Richtung Mode und Menschen machen möchte, ich bin dann im Erzieherinnen-Job gelandet. Aber das hätte mich auf Dauer nicht erfüllt. Da ich schon immer gerne geschrieben habe, und mein Talent eher beim Wort und nicht bei der Zahl liegt, kam ich auf die Idee Modejournalismus & Medienkommunikation zu studieren. So konnte ich perfekte Laster und Leidenschaft verbinden. Mein erstes Praktikum habe ich bei einem Fachmagazin für die Wäscheindustrie absolviert – das war meine erste Begegnung mit der Wäsche. Und ich bin jetzt schon seit sieben Jahren für dieses Magazin tätig. Aus dieser Tätigkeit heraus entstand Dessous Diary – ich wollte ein stilvolles Blog für Dessous gründen, denn Modeblogs gibt es mehr als genug.

Anne-Luise: Ich habe Dessous Diary zum ersten Mal entdeckt, als Anja begann, als Big Cup Expertin aktuelle Kollektionen von Hersteller*innen größerer Körbchengrößen vorzustellen. Soweit ich weiß, schreiben noch mehrere Autorinnen für Dessous Diary, deine „Miedermädchen“ 🙂 Hat da auch jede ihr Spezialgebiet?

Lea: Ja, jede hat ihren Faible. Victoria lebt in Paris und schreibt viel über die Geschichte der Wäsche oder auch einzelnen Wäschestücken. Aber auch tolle Designerportraits über Stella McCartney oder Chantal Thomass. Lili lebt in Montpellier und schreibt gerne über Strümpfe, aber auch Nachtwäsche. Magda ist eine Studienkollegin von mir und berichtet über Labels und Kollektionen – besonders gerne Beachwear und Dessous. Scarlett ist Dessousdesignerin bei Lost in Wonderland aus Berlin und schreibt über Newcomermarken, die man in Deutschland noch nicht gut kennt, aber auch zu Fitting-Themen. Und ich bin quasi Miedermädchen für alles ;-).

Anne-Luise: Ich habe immer so den Eindruck, dass sich die Designs im internationalen Vergleich ganz schön unterscheiden. Während britische Hersteller*innen sich an wilde Muster und Farbkombinationen heranwagen, scheinen deutsche und französische Dessousdesigner*innen eher auf schlichte, gedeckte Farben wie Taupe oder Cassis zu setzen. Sind deutsche Frauen etwas zurückhaltender, was das Design betrifft?

Lea: Momentan ändert sich die Einstellung deutscher Frauen zu Dessous. Das hat besonders mit „Shades of Grey“ zu tun – die Frauen werden mutiger. Und das ist für die gesamte Branche prima. Weiße BHs im glatten Design braucht Frau ebenso wie schwarze Spitze. Aber du hast Recht: Viel Farbe und bunte Musterungen laufen eher weniger bei uns. Das hat aber auch damit zu tun, dass die deutschen Frauen eher praktisch kaufen und – so ab 35 Jahren – nicht mehr bei H&M Wäsche kaufen. Und schicke, hochwertige Wäsche hat ihren Preis. Da muss es dann etwas sein, das lange seinen Zweck erfüllt. Aber ich bin mir sicher, dass auch die deutschen Damen sich mehr trauen, wenn man ihnen mehr Inspirationen liefert und zeigt, wo sie gut und preisbewusst einkaufen können.

Anne-Luise: Was sind denn deine Lieblingsmarken? Und wenn du ein Wäschestück designen dürftest, wie würde es aussehen? Oder hast du deine Traumwäsche sogar schon gefunden?

Lea: ohhh… jetzt könnte ich hier aber einen Roman antworten. Also Agent Provocateur ist weit vorne, Chantal Thomass ebenso. Les Jupons de tess ist noch recht neu auf dem Markt, aber ich habe mich sofort verliebt. Und Lost in wonderland! Ich mag die Berliner Designerinnen wie eben Scarletts Label aber auch November Lingerie von Imke Hille. Ach.. und I.D. Sarrieri, Aubade, Lise Charmel, …ich könnte immer weiter machen. Wenn ich ein Set designen dürfte, wäre es definitiv Schwarz und auf eine charmante Weise kokett und verspielt.

Anne-Luise: Deutschland ist ein BH-Entwicklungsland. Würdest du das so unterschreiben oder hast du andere Erfahrungen gemacht? Und was meinst du, woran liegt es, dass so viele Frauen ihre richtige BH-Größe(n) nicht kennen?

Lea: Unterschreibe ich sofort! Der BH ist hier eher notwendiges Übel als verführerisches Accessoire – so wie in Frankreich oder Italien. Ich glaube, dass wir hierzulande weniger auf den persönlichen Luxus fokussiert sind. Wir geben Feminität und Erotik nicht so eine große Bedeutung wie es zB die modischen Französinnen tun. Sie ziehen einen Strapsgürtel im Büro an und wir fühlen uns verkleidet, wenn wir es einmal im Jahr machen ;-)…zudem kommt auch, dass viele eben günstig mal eben Wäsche kaufen und wir wissen alle, dass es bei H&M keine vernünftige BH-Beratung gibt und bei D-Cup Schluss ist. Damit finden sich auch junge Mädels ab und tragen unwissentlich einen BH, der nicht optimal sitzt. Sie kennen es nicht anders. Erst, wenn dann Nackenschmerzen kommen oder die Mutter einen mal mit ins Fachgeschäft nimmt, ändert sich vielleicht was. Aufklärung ist wichtig – darum gibt’s auch Dessous Diary. Und du machst ja auch echt Missionarsarbeit.

Anne-Luise: Bei Dessous Diary geht es ja nicht nur um hübsche Unterwäsche, sondern auch noch um andere Themen. „Beauty“ ist zum Beispiel ein Ressort, dass ihr letztens hinzugefügt habt. Würdest du sagen, ihr habt damit schon eine bestimmte Zielgruppe im Auge? Schreibt ihr eher für die etwas luxuriösere Frau, die sich gerne ab und zu mal etwas gönnt?

Lea: Für mich war es von Anfang an klar, dass ich auch ein bisschen Beauty mit einbringen möchte, denn ein gepflegtes Äußeres gehört für mich einfach zu einer Frau dazu. Niemand muss sich stark schminken oder Luxuskosmetika im Bad stehen haben, um etwas aus seinem Typ zu machen. Da ich auch als freie Journalistin viel über Beauty schreibe, wollte ich ein paar Lieblinge auch auf Dessous Diary zeigen. Es sind fast alles Marken und Produkte, die ich selbst schon getestet habe. Aber allgemein richtet sich das Blog an alle Frauen von jung bis alt, die Freude an schönen Dingen haben. Ob Konfektionsgröße 34 oder 58 ist dabei egal! Auch das Budget soll keine Rolle spielen: Wir haben immer wieder Beiträge über Luxusdessous (sie sind aber auch zu hübsch) und auch Low Budget-Wäsche. Es ist mir aber wichtig, kritisch und ehrlich zu berichten. Ein BH von einem Discounter für 3,99 aus Polyster-Acryl hält keine fünf Jahre…ich finde, dass darf man auch ruhig schreiben. Genauso verhält es sich aber auch mit den großen Designerlabels – ich habe schon einige Modelle großer Namen getragen und war enttäuscht. Das schreibe ich dann auch. Dessous Diary möchte nichts verkaufen, wir möchten inspirieren und informieren – auf unterhaltende Weise.

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Lea! Und wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und mehr über Dessous Diary wissen möchtet, könnt ihr auch mal auf den Social Media Präsenzen des Blogs vorbeischauen: Dessous Diary findet ihr auf Facebook und Twitter.

ParaNoire Design – victorian trifft goth trifft edel

Vor einiger Zeit bin ich durch denocte von kurvendiskussionen.at auf ParaNoire Design aufmerksam geworden. Eva, die kreative Chefin von ParaNoire, fertigt nicht nur wunderschöne Wäsche an (z.B. via Dawanda oder Etsy erhältlich), sie versteht auch einiges von Brafitting.

A.-L.: Liebe Eva, ich habe mal ein bisschen durch dein Sortiment gestöbert, da sind ja viele sehr hübsche Sachen dabei. Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Gibt es bestimmte (Wäsche-) DesignerInnen, die dich inspirieren?

Eva

E.: Das freut mich! Mein Stil ist stark beeinflusst von den Gothicströmungen meiner Jugend aber hat sich mittlerweile etwas mehr in eine neutral-elegantere Richtung entwickelt. Es finden sich jedoch immer noch Anleihen an Pinup und Burlesque — das ein oder andere Stück ist bewusst etwas aufreizender — aber in erster Linie geht es mir darum, dass sich die Menschen, die meine Wäsche tragen, darin wohlfühlen! Deshalb ist es mir auch sehr wichtig, ein sehr großes Größenspektrum zur Auswahl bieten zu können — nichts finde ich fürchterlicher, als sich schöne Wäsche immer nur aus der Ferne ansehen zu müssen, weil die eigene Größe nicht verfügbar ist.

Meine absoluten Lieblingsdesigner für Dessous sind zum einen Kiss me Deadly aus Großbritannien, wegen ihren tollen Retro-Schnitten und durchaus akzeptablen Größenspektrum (zudem scheint die Inhaberin eine ähnliche Vorliebe zu Statistik zu haben wie ich) und Orange Lingerie, eine kleine feine Quelle für hochwertige maßgefertigte BHs aus den USA, die mittlerweile auch Tutorials und Schnitte anbietet.

A.-L.: Erzähl uns doch mal ein bisschen von den Anfängen. Wie bist du dazu gekommen, Dessous selbst zu entwerfen? Hast du eine Schneiderinnenausbildung gemacht oder hat sich das aus einem Hobby entwickelt? Und weißt du noch, wie lange du an deinen ersten Sachen gesessen hast?

E.: Angefangen hat alles damit, dass ich mir mit 17 beigebracht habe, eine Nähmaschine zu bedienen und Schnitte zu erstellen. Damals habe ich hauptsächlich Kleidung für Freunde genäht — Korsetts, Kostüme und solcherlei. Wie lange ich an diesen Sachen gesessen habe, weiß ich leider nicht mehr, ich weiß nur, dass ich sehr viel schneller arbeite(te) als die meisten Menschen, die ich kenne. Bald darauf bekam ich immer häufiger Anfragen, ob ich meine Kreationen auch verkaufen würde und so kam es, dass ich 2007 ParaNoire ins Leben gerufen und meinen Online-Shop eröffnet habe.

Anfangs habe ich hauptsächlich Oberbekleidung wie Jacken, Röcke, Kleider und Capes genäht, aber seit ich Mitte 2012 meinen ersten Wäscheschnitt erstellte, hat sich mein Fokus immer weiter auf Lingerie verschoben. Die Begeisterung war einfach zu groß! Das derzeit letzte Überbleibsel meiner ehemaligen Bekleidungslinie ist das immer noch beliebte Cape „Anouschka“, besonders die Sherlock Variante hat so viele Liebhaber gefunden, dass ich sie wohl in absehbarer Zeit nicht aus dem Programm nehmen werde 🙂

Eine Schneiderinnenausbildung habe ich nie gemacht, ich bin durch und durch Autodidakt. Zusammen mit einer gehörigen Menge Perfektionismus ist das dennoch eine exzellente Voraussetzung für qualitativ hochwertige Ergebnisse! Ich habe ganze 3 Monate versucht, mich für ein Modedesignstudium zu begeistern, aber am Ende fühlte ich mich „in Freiheit“ doch um Welten wohler und studiere jetzt Statistik und Medizin. Viele finden das seltsam, aber ich finde, dass Unterwäsche entwerfen die schönste Anwendung für meine mathematischen Kenntnisse ist, die es gibt! Gerade in Verbindung mit Brafitting kann eine Ausbildung im wissenschaftlichen / medizinischen Bereich auch durchaus von Vorteil sein.

A.-L.: Ich habe gehört, dass du, neben Kleidung, auch BHs und Corsagen nach Maß für deine Kundinnen anfertigst. Ich stelle mir das total schwierig vor. Dessous zu entwerfen und zu nähen ist ja sowas wie die Königsdisziplin. Wer schon einmal versucht hat, den Schnitt eines passenden BHs abzunehmen, um ihn nachzuschneidern, wird das sicher bestätigen können. Wie genau gehst du da vor? Die Brust verhält sich je nach Komprimierbarkeit im BH ja nochmal anders, als ohne BH.

prototyp 1E.: Nachdem sich meine ersten Ausflüge in die Welt der Unterwäsche nahezug ausschließlich auf Panties beschränkten, habe ich Anfang 2013 begonnen, mehr in Richtung BH-Anfertigung zu forschen, da ich zu dieser Zeit auch sehr aktiv die deutsche Brafitterinnen-Szene verfolgte. Die Anfertigung von BHs nach Maß ist allerdings wie du schon sagst ein bekleidungsarchitektonisch und logistisch (Anproben etc.) hoch anspruchsvolles Feld. Da ich nebenbei ja noch Vollzeit studiere, habe ich das Projekt „Maßangefertigte BHs“ nach den ersten „einfachen“ Testprojekten erst einmal bis auf Weiteres pausiert, damit ich mein Studium nicht aus den Augen verliere. Ich bin Perfektionist, und möchte darum keine „halben Sachen“ machen. Sobald ich die Arbeit an den Maß-BHs wieder aufnehme, kann ich dir gerne noch einmal gesondert mehr dazu berichten!

prototyp 2

Dieses Frühjahr habe ich allerdings einen ganz passablen Kompromiss gefunden. Da ich meine Wäsche nun auch endlich in schönen Sets anbieten möchte, aber die perfekte Passform von Bügel-BHs über das Netz als Medium (und mit meiner beschränkten Produktions- und Entwicklungskapazität) im Moment nicht zu meiner Zufriedenheit sicherzustellen ist, habe ich nun eine Linie von einfach geschnittenen bügellosen Bralets eingeführt. Derzeit gibt es drei verschiedene Varianten, aber ich werde die Produktlinie sicher in nächster Zeit erweitern und freue mich auch immer über Sonderwünsche! Eines der Sets wurde übrigens jüngst von der formidablen denocte auf Kurvendiskussionen reviewt (hier geht’s zum Unboxing Video). Diese Bralets sind in der Anfangsphase zunächst nur für kleinere Oberweiten verfügbar, aber wie immer arbeite ich daran, diese Modelle zeitnah auch für ein größeres Spektrum an Formen zur Verfügung zu stellen.

A.-L.: Wie viel Zeit benötigst du ungefähr für eine Auftragsarbeit? Kannst du auch etwas zum preislichen Rahmen sagen, oder ist das je nach Stoff, Kundinnenwünschen und Körperform doch sehr individuell?

il_570xN.581401604_ld2kE.: Die Zeit, die für eine Sonderanfertigung einzurechnen ist, hängt immer ein bisschen davon ab, welche Art Kleidungsstück entworfen und angefertigt werden soll, das verwendete Material, wie schnell man sich zu allen Designdetails einig wird, usw. Eine gute Richtlinie z.B. für ein Unterwäsche-Set kann sein, etwa 1-2 Wochen für die Abklärung der Details einzuplanen und je nach Umfang des Auftrags und meiner Auslastung kann die ganze Anfertigung schon in 1-3 Wochen vollendet sein. Sind persönliche Anproben nötig, kann es auch 4-6 Wochen dauern. Als Startpreis für einen maßgefertigten BH kann man 120 € rechnen, plus einmalig 120 € für Maßnehmen, Schnitterstellung und Anpassung. Dieser Schnitt kann beliebig wieder verwendet werden, solange sich das Design bzw. die Körpermaße nicht grundlegend ändern. Panties sind oft schon ab ca. 25-30 € zu haben, hier kostet die Schnitterstellung und Anpassung einmalig 15 €. Im Grunde gilt: alles ist möglich aber ein genauerer Preisrahmen lässt sich nur in einem kurzen, unverbindlichen Sondierungsgespräch abstecken.

A.-L.: Viele Frauen kommen irgendwann über das Internet auf das Thema Brafitting, weil sie in den Geschäften nichts finden, was wirklich zu ihrer Brustform passt. Wie war das bei dir? Und siehst du dich selbst eher als Brafitterin oder als Designerin schöner Wäsche? Oder vielleicht von beidem etwas?

E.: Ich kam durch Zufall (ein gut versteckter Link in einem Nähforum) auf das Thema Brafitting und bin seitdem sehr leidenschaftlich dabei, möglichst vielen Menschen unaufdringlich zu besser sitzenden BHs zu verhelfen. Als jemand der sowohl BHs trägt (und lange unzufrieden war) als auch in der Lage ist, selbst BHs anzufertigen, und die aktuelle Marksituation ein wenig kritisch zu durchleuchten, sehe ich mich ein bisschen als eine Mischung aus allem.

Ich habe ein paar Favoritenmodelle von der Stange (Panache Sport BH!!!), die ich selbst gerne trage und kenne mich sonst im Ready-to-Wear Bereich nur ganz oberflächlich aus. Da gibt es viel versiertere Brafitterinnen, die zu jedem Modell wissen, wer davon wie profitieren könnte und super sind in Sachen Beratung vor Ort. Denen überlasse ich da gerne das Feld, nachdem ich meine BH-Novizen in eine grobe Größenrichtung dirigiert habe. Ich gebe gern Größenberatung wo ich kann, und empfehle auch ohne zu Zögern (günstigere) BHs großer Hersteller, falls meine Preislage für Maßanfertigungen nicht im Bereich des Erschwinglichen für die jeweilige Kundschaft liegt. Aber mein wirkliches Steckenpferd ist das Tüfteln im stillen Kämmerlein und das Entwerfen, besonders in der Zusammenarbeit mit Kunden, das Stoffe zusammenstellen und immer wieder etwas Einzigartiges schaffen. Dabei blühe ich auf!

A.-L.: In welchem Größenspektrum sind deine Höschen erhältlich? Kann man zwischen verschiedenen Konfektionsgrößen wählen oder ist es dir lieber, genaue Maße von einer Kundin zu erhalten?

E.: Im Grunde gilt bei mir: Ich habe keine festen Grenzen. Solange es einen Körper zu bekleiden gibt, wird ein Kleidungsstück in der dazu passenden Größe gemacht! Um eine inklusivere Atmosphäre herzustellen, bin ich von klassischen Konfektionsgrößen auf ein eigenes System umgestiegen. Dieses richtet sich nach dem bzw. den Hauptmaß(en), die für die Erstellung des Kleidungsstücks am wichtigsten sind. So werden die Panties zum Beispiel nach dem Hüftmaß ausgewählt (hierzu sind die Maße in regelmäßige Größenschritte unterteilt) und bei BHs zählt in ähnlicher Weise das Brust- und Unterbrustmaß.

Eine Person mit Brustumfang 100 cm, Unterbrustumfang 85 cm und Hüftumfang 110 cm würde also einen BH in Größe 85/100 und ein Panty in Größe 110 bestellen. Ein Unterwäschehersteller, der auch dieser Logik folgt, ist SugarShape ( http://www.sugarshape.de ), und weil ich das total super finde, sollte an dieser Stelle definitiv Werbung für die Menschen dort gemacht werden!

Wer sich unsicher ist, oder gerne ein Set genau nach Maß möchte, kann mir natürlich immer einfach die benötigten Maße schicken, und ich werde die beste Größenkombination finden bzw. einen Maßschnitt erstellen.

A.-L.: Wo siehst du beim Thema BHs und Wäsche noch Entwicklungspotential im deutschsprachigen Raum? Versuchst du, eine Nische zu bedienen, oder machst du einfach das, was dir selbst am besten gefällt?

E.: Ich denke ein großer Aufklärungsbedarf besteht immer noch, sowohl bei den BH-Tragenden, als auch beim Verkaufspersonal. Ich habe das Gefühl, dass ein gewisser Umbruch im Gange ist, und in manchen Läden die Beratung durchaus akzeptabel wird, aber flächendeckend wird noch viel zu viel Aberglaube und Falsches reproduziert. Die verfügbaren Größen werden langsam etwas besser, aber auch hier gilt: wir brauchen mehr! Gut sitzende Unterwäsche darf nicht unerschwinglich bzw. mangels Aufklärung unerreichbar sein!

Ich denke, da ich ein sehr kleines Label betreibe und alles selbst mache, von der Entwicklung bis zur Fertigung, sitze ich zwangsläufig ein klein wenig in einer Nische. Aber Nischen sind ja nichts schlechtes. Hier kann man es sich sehr gemütlich einrichten und viele andere Nischenbesucher sehr glücklich machen, da man keinem so starken Druck durch Trends und Konkurrenz unterliegt 🙂

A.-L.: Bestimmt sind jetzt einige neugierig geworden. Wo kann man deine Sachen kaufen? Und wo findet man dich im Web?

E.: Meine Wäsche (und andere Dinge) gibt es bei Etsy ( www.paranoire.etsy.com ) und Dawanda ( www.paranoire.dawanda.de). Für persönliche Anfragen, Hinweise, und Feedback erreicht man mich auch unter info at paranoire-design dot com. In unter 140 Zeichen gibt es mich auf Twitter: @paranoiredesign und außerdem auch auf Facebook: https://www.facebook.com/paranoiredesign .

Eine kleine Anleitung zur BH-Größenfindung und einen Abriss über den bisherigen Fortschritt des Maß-BH-Projekts gibt es auf http://beta.paranoire-design.com (derzeit wird dieser Blog allerdings nicht weiter aktualisiert). Ich arbeite derzeit an einem Online-Größenrechner für BHs und freue mich immer über Rückmeldung zu dieser (noch sehr rudimentären!) Beta-Version (http://bra.detmud.me ) .

Vielen lieben Dank für dein Interesse an ParaNoire Design und dieses nette Interview 🙂

Vielen Dank ebenfalls für deine ausführlichen Antworten 🙂 Zum Abschluß möchte ich dir noch sagen, dass ich nicht nur deine Designs sehr hübsch finde, sondern nicht zuletzt deinen Approach, hübsche Wäsche für alle zugänglich zu machen und für jede die passende Lösung zu finden. Ich (und sicherlich auch meine LeserInnen)  sind gespannt, wie sich ParaNoire noch entwickeln wird und die ein oder andere wird sicher mal auf Etsy oder Dawanda vorbeischauen.

Apropos vorbeischauen … im April gibt es im Etsy Shop von ParaNoire 15% Rabatt auf alle Einkäufe ab 15€ mit dem Code BHLOUNGE15 (bis einschließlich 30.04.2014).

Willkommen im Brafitting-Studio in Mainz! Ein Interview mit der Inhaberin Kasia Mroczkowska

In dieser Reihe möchte ich euch einige geschätzte Kolleginnen vorstellen. Ob sie nun ebenfalls persönliche Beratung anbieten, einen Wäscheladen führen, über hübsche Dessous bloggen oder sogar selbst Lingerie designen – sie sind echte Expertinnen in Sachen BHs. Einige Ladys bringen … Continue reading