Mein Abschiedsbrief. An die Diätindustrie.

Liebe Diätindustrie,

wir müssen reden. Ich habe in der letzten Zeit viel über uns beide nachgedacht. Ich weiß noch, wie das war, als wir uns damals kennenlernten. Da sagtest du mir, was ich machen muss, um mich schöner zu finden. Und dass ich das machen muss, damit andere mich schön finden. Das sei wichtig für ein erfolgreiches, glückliches und generell akzeptables Leben. Und so gesund.

Ich habe das alles gemacht. Es war eine gute Partnerschaft mit dir, wir haben viel zusammen erreicht, ich fühlte mich fleißig und erfolgreich. Allerdings mochte ich damals eigentlich nur dich und nicht mich. Und wenn ich genau darüber nachdenke, war ich da am wenigsten dick – aber auch am wenigsten gesund. Continue reading

#Thighgap, #BellyButtonChallenge und co

Im Moment grasiert ein neues Hashtag-Virus durchs Netz: #BellyButtonChallenge. Dahinter verbirgt sich ein simpler Test. Kannst du deinen Bauchnabel berühren, nachdem du deinen Arm hinterrücks um die Taille geschlungen hast? Falls ja – Congratulations! Falls nein – ab zur nächsten Diät! Endlich müssen wir uns nicht mehr fragen, ob wir zu dick sind. Der Test verrät es uns ja. [/Ironie off]

Belly-Button-Challenge, Thigh Gap oder Bikini Bridge – diese Netzphänomene sind alle ähnlich. Überall auf der Welt machen Menschen, insbesondere Frauen, Selfies von sich und teilen sie in den sozialen Netzwerken. Ich habe damit mehrere Schwierigkeiten: Continue reading

Was du nicht alles sollst!

Du sollst alt werden, aber ohne Falten. Du sollst ein Baby bekommen. Hinterher sollst du aber so aussehen, wie vor der Schwangerschaft. Du sollst Bier trinken. Aber nicht rülpsen. Dann doch lieber ein Glas Sekt. Mit süßen Schuhen. Die Schuhe schmerzen. Das soll man dir nicht anmerken. Diese Saison sollst du Neon tragen. Nächstes Jahr dann Pastel. Continue reading

„Das geht aber noch besser!“ – ein Frauenzeitschriftenrant

Unsere Leserin Dina wollte Frauenzeitschriften doch nochmal eine Chance geben. In Zeiten des Body Positivity Movements könnte es ja sein, dass sich da etwas getan hat. Eigentlich wünschte sie sich Inspiration in Sachen Mode und Wohlfühlen. Bekommen hat sie ein schlechtes Gewissen. Oder hätte es zumindest bekommen sollen. Warum? Das lest ihr am besten selbst in ihrem Gastbeitrag. Continue reading

Vom achtsamen Umgang mit dem Körper #AcceptEveryBody

Als ich Tanja Schwerdtner, Achtsamkeitstrainerin und Chefin von Gecovita aus Celle, von unserem Projekt Accept Every Body erzählt habe, war sie sofort begeistert. Für sie ist der Respekt vor dem eigenen Körper mit seinen Bedürfnissen und Gegebenheiten wichtig, damit auch der Geist entspannt sein und zur Ruhe kommen kann. Gerade unter der medialen Dauerbeschallung mit unerfüllbaren Schönheitsvorgaben ist es so wichtig, einen guten Weg zum eigenen Schönheitsideal zu finden. Lest nun mehr darüber in Tanjas Gastartikel zu unserem Projekt…

Tanja Schwerdtner

Tanja Schwerdtner

Accept Every Body“ – was für eine wertvolle Idee und was für ein großartiger Schritt hin zu mehr (Selbst-)Akzeptanz! Weg von dem „Idealbild, das die Werbeindustrie uns Tag für Tag suggeriert. Ein (Trug-)Bild, das uns glauben macht, dass wir nur dann ein zufriedenes Leben führen können, wenn wir perfekt, schön, schlank und noch viel mehr sind. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass unser Glück rein von Äußerlichkeiten und der Bewertung Anderer abhängt. Wir müssten uns demnach dauerhaft schlecht und minderwertig fühlen, wenn wir anders aussehen und dem vermeintlichen Schönheitsideal nicht entsprechen können oder wollen.

Aber sind es nicht gerade die Vielfältigkeit und der Formenreichtum, die uns Menschen ausmachen? „Akzeptanz“ bedeutet für mich, uns selbst und unsere Mitmenschen so annehmen zu können, wie wir sind. Mit all unseren Stärken und Schwächen. Und mit unserem einzigartigen Körper, der uns geschenkt wurde, um darin zu leben. „Der Körper ist das Haus der Seele.“ (Philon von Alexandria, 20 v. Chr. – 50 n. Chr.). Wenn wir uns selbst nicht lieben können in unserem „Körperhaus“, wird auf lange Sicht auch unsere Seele krank.

„Annehmen, was ist“. Dies ist eine der Grundhaltungen aus der Achtsamkeitslehre. Es geht darum, uns selbst in jedem Moment ganz und gar als der Mensch anzunehmen, der wir sind – ohne uns zu bewerten. Der Weg der Achtsamkeit ermöglicht die Entwicklung von innerer Weisheit, Liebe und Mitgefühl. So können wir zu ausgeglichenen Menschen werden, die die innere Kraft besitzen, sich den Herausforderungen dieser Welt auf kreative Weise zu stellen.

Sagen Sie JA zu sich in Ihrem Körper! Entdecken Sie, welche Freiheit aus dem Bewusstsein dieser grundlegenden Unabhängigkeit und Eigenständigkeit erwächst. Und spüren Sie, wie befreiend und wunderbar beglückend dieses Gefühl ist – für Ihren Körper, Ihren Geist und Ihre Seele.

Ich wünsche Ihnen viel Freude auf Ihrer ganz persönlichen Entdeckungsreise.

Ihre Tanja Schwerdtner

Vielen Dank für deine Gedanken zu unserem Projekt! Wenn ihr mehr von Tanja lesen möchtet, schaut doch mal auf ihrer Facebookseite vorbei. Dort gibt es gerade übrigens eine kleine Serie zur Entspannung für jeden Tag mit Fingeryoga (kannte ich auch noch nicht). Auf Twitter ist sie als @gecovita unterwegs.

 

#AcceptEveryBody – Kein Applaus, bitte!

Ich war lange ein dickes Mädchen. Das war einfach so, es hat sich so ergeben. Im vergangenen Jahr habe ich abgenommen. Hosen, die mir in den letzten sechs Jahren gut gepasst haben, wurden auf einmal zu groß. Ich habe keine Diät gemacht. Ich sehe das mehr pragmatisch und ich habe zu meinem Körper in dieser Beziehung ein Vertrauensverhältnis: Wenn er etwas benötigt, wird er es mir sagen oder zeigen. Wenn ihm etwas zu viel wird ebenso. Wir haben da eine ganz gute Kommunikationsebene gefunden.
Ich glaube, dass Fettsein (für mich, bei anderen mag das anders sein) eine Funktion hat. Es entsteht nicht aus Faulheit oder weil man einfach Bock auf Essen hat. Man macht das, um sich ein wortwörtliches „dickes Fell“ anzufuttern. Mein Körper hat anscheinend beschlossen, dass ich dieses Fell jetzt nicht mehr brauche. Jedenfalls nicht so sehr. Nach sechs Jahren mit konstantem Gewicht nahm ich auf einmal ab. Ohne Diät.
Einige Menschen aus meinem Umfeld kommen damit nicht klar. Sie finden es ungerecht („Wie, einfach so? das müsste mir mal passieren…“). Sie freuen sich und gratulieren mir, wie zu einem Studienabschluss („Was für ein Erfolg! Da kannst du aber richtig stolz auf dich sein!“). Und sie meinen, mich anspornen zu müssen. („Und? Machst du jetzt so weiter?“). Ich verstehe das alles nicht.
Um derlei Wertungen zu vermeiden, habe ich einigen gar nicht von meinem Gewichtsverlust erzählt. Wenn man sich lange nicht gesehen hat und hauptsächlich telefoniert oder chattet funktioniert das ja ganz gut. Mir ist aber dabei aufgefallen, wie oft die Themen in alltäglicher Kommunikation um das Gewicht kreisen. Obwohl ich meine Veränderung lieber verschwieg, fingen die anderen an. Wieviel sie abnahmen. Wieviel sie zunahmen. Und dass dem Körper Maß geboten werden muss um das eine zu erreichen oder das andere wieder rückgängig zu machen.

Ich dachte mir „OK, wenn ihr schon darüber reden wollt…“. Ich erzählte, wie mein Körper und ich das machen. Und erntete gut gemeinte Ratschläge zum Thema Diät und Mäßigung. Die Menschen dachten, ich hätte zugenommen und wolle das nun rechtfertigen. Ich fühlte mich, als ob ich mit Wänden redete. Das hat mich traurig gemacht. Auch ohnmächtig. Und verwundert. Verwundert darüber, wer auf einmal mit Bodyshaming daherkommt und wie unvorstellbar es anscheinend ist, auf den eigenen Körper zu vertrauen. Dass man den Körper nicht als zu zähmendes Ungeheuer sieht, sondern als Medium, das einen durch die Welt trägt und dafür sorgt, dass man die Welt erleben kann.

Accept Every Body. Unser erstes Video.

Unser erstes Video zum Projekt Accept Every Body zeigt, wie wir uns beim näheren Betrachten des uns ständig umgebenden Schönheitsterrors gefühlt haben: Geblendet. Gegängelt. Und irgendwie veralbert. Wenn es nach der Schönheitsindustrie geht, sollen wir uns auf einen Normkörper herauf- oder herunterhungern und wenn wir das nicht schaffen, bitteschön zuschneiden lassen.

Dabei wäre nichts langweiliger, als vollkommene Gleichheit. Gerade die kleinen oder großen Unterschiede machen uns zu Menschen und besonders. Und das ist doch etwas sehr Schönes.

Das Video ist in Zusammenarbeit mit Marcus entstanden. Besuchen könnt ihr ihn auf: http://sprecherausleidenschaft.de/blog/

Mastektomie-BHs Teil II: Wo finde ich hübsche Wäsche nach der OP?

Im ersten Teil über Mastektomie-BHs ging es ja schon um passende Einlagen oder Prothesen, um Größenunterschiede nach einer Brust-OP auszugleichen.

Das Design von Mastektomie-BHs: Retrofeeling pur?

Nun braucht man nur noch den dazu passenden BH. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob man zugunsten der Gesundheit ab sofort auf feine Wäsche verzichten und sich eher medizinisch angehauchten Modellen zuwenden sollte. Sucht man im Internet nach „Mastektomie-BH“ findet man recht wenig, im deutschsprachigen Raum ist „Prothesen-BH“ gebräuchlicher, was schon direkt in die Sanitätshausecke deutet. So kommt auch bei den meisten Modellen echtes Retrofeeling auf. Weiß- und Hauttöne mit schlichten Mustern dominieren.

Mastektomie-BH von Anita Care

Mastektomie-BH von Anita Care, auch in Schwarz und Creme erhältlich

Anita Care, die Mastektomie-Linie von Anita, hat mich echt überrascht. Zwar gibt es dort wie erwartet überwiegend schlichte Teile,  allerdings bietet Anita Care auch eine handvoll Modelle in bunten Farben und mit hübscher Spitze. Unter den Dessous von Amoena  finden sich ebenfalls etwas schickere Modelle, allerdings sind diese nur im Größenbereich 70-90 A-D erhältlich, also Standardgrößen, die nur etwa einem Drittel aller Frauen passen.

Es lohnt übrigens mal wieder, einen Blick in internationale Shops zu riskieren. Das Größenangebot und die Modellvielfalt sind dort erheblich größer und man hat das Gefühl, dass es nicht (nur) um ein medizinisch notwendiges Kleidungsstück, sondern um Mode geht.  In Großbritannien gibt es Onlineshops, die sich auf Mastektomie-BHs spezialisiert haben und auch Bademode sowie besonders hautfreundliche Nachtwäsche oder Oberbekleidung anbieten. In den Trägertops des britischen Shops Nicola Jane beispielweise ist ein BH integriert, der auch über Taschen zum Einlegen von Prothesen verfügt. Ein weiterer Onlineshop, der sich gänzlich den Bedürfnissen von Frauen mit operierter Brust widmet, ist Eloise Lingerie, ebenfalls aus Großbritannien.

In Polen ist insbesondere die Marke Melissa hervorzuheben. Die BHs von Melissa finde ich sowieso schon recht toll, da sie viele fair hergestellte Modelle aus Biobaumwolle im Angebot haben, außerdem eine große Auswahl an Still-BHs im Größenspektrum 60-95 C-K.  Unter „BHs für Amazonen“ findet man im Shop die Mastektomie-BHs. Es sind zwar nur zwei Modelle zu sehen, jedoch kann man sich auf Anfrage die Modelle in jedem im Shop verfügbaren Design fertigen lassen.

Weitere Einkaufstips und hilfreiche Links zu Läden, die Mastektomie-BHs führen, gibt es im entsprechenden Thread bei Busenfreundinnen.net.

Worauf muss ich bei BHs nach der OP achten? Muss ich mich von Bügel-BHs verabschieden?

Bei Frauen, die eine Brust-OP hinter sich haben, ist das Gewebe natürlicherweise sehr empfindlich. Deshalb ist es gerade in der ersten Zeit sehr wichtig, einen BH aus weichem hautfreundlichem Material zu tragen, der keine kratzigen Nähte hat. Auch Bügel sind (zumindest erstmal) nicht empfehlenswert, weil sie in die Seite drücken und so Lymphödeme begünstigen können. Diese können auch entstehen, wenn der BH zu fest anliegt. Sport-BHs können durch die Kompression als besonders angenehm empfunden werden.   Einige Zeit später ist es durchaus möglich, BHs mit Bügeln zu tragen. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Bügel ausreichend breit und nicht zu hart sind. Auch Bügel, die nicht die richtige Form haben, können unangenehm sein. Falls ihr betroffen seid und gerne Bügel-BHs tragen möchtet, solltet ihr auf jeden Fall vorher nochmal mit eurer Ärztin absprechen, ob ihr Bügel-BHs bedenkenlos tragen könnt.

Es ist übrigens auch recht einfach, einen „normalen BH“ zum Mastektomie-BH umzuarbeiten. Hier gibt es eine einfache Anleitung dazu, die man auch mit Grundkenntnissen im Nähen ausführen kann.

Mastektomie-BHs Teil I: passendes Zubehör zum Größenausgleich

In diesem Post wird es um passende BHs und Zubehör nach einer Brustkrebs-OP gehen. Da ich ausführlich auf alles eingehen möchte, gibt es den Post in zwei Teilen. Heute geht es um passende Prothesen und Einlagen, im zweiten Teil zeige ich euch dann, wo ihr nach passenden (und auch hübschen) BHs suchen könnt oder einen passenden BH so ändern könnt, dass er mit Prothese tragbar ist.

Wenn man gerade eine brusterhaltende Operation oder eine Mastektomie hinter sich hat, kreisen die Gedanken sicherlich erstmal um ganz andere Dinge als das Design der Unterwäsche. Betroffene kämpfen mit den Nebenwirkungen der starken Medikamente, die Operationsnarben müssen erst einmal verheilen und es bleibt wohl zumindest in der ersten Zeit das Bangen darum, ob die Operation erfolgreich und dauerhaft zur Heilung beigetragen hat. Direkt nach der OP bekommt man häufig einen speziellen Kompressions- oder sog. Erstversorgungs-BH, hierfür bieten viele Sanitätshäuser einen Krankenhausservice an. Ganz klar: Erstmal steht im Vordergrund, dass sich die Patientin gut unterstützt fühlt und die Wunden gut verheilen.

Doch sobald eine gewisse Form von Alltag und Normalität wieder eintritt, wünscht man sich einen BH, der Continue reading