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Dieser Valentinstag!

In den Lingerieblogs geht es dieser Tage um den demnächst anstehenden Valentinstag. Es gibt dort viele hübsche Wäschestücke zu sehen, meistens in Rot. Ich mag, rote Dessous, wirklich, aber ich muss gestehen, dass ich noch nie so recht etwas mit diesem Valentinstag anfangen konnte. Ich dachte immer, dass es sich dabei eigentlich um den Tag der Blumenhändler_innen handeln muss. Vielleicht kommt das daher, weil ich es seltsam finde, einen Stichtag zum Geschenkeüberreichen genannt zu bekommen. Und sicher ist dieser Tag für viele Menschen unangenehm, die unfreiwillig Single sind.

Einige werden mich vielleicht missmutig anfunkeln und sagen „Aber ich möchte meinem Lieblingsmenschen doch nur etwas Gutes tun und mit einer kleinen Aufmerksamkeit zeigen, wie sehr ich sie_ihn schätze!“. Nun, das ist natürlich sehr liebenswürdig von euch und ich mag euch das auch gar nicht schlechtreden. Nur eins: Bitte schenkt keine Dessous! Da sehr viele die falsche BH-Größe tragen, ist es schon mal wahrscheinlich, dass ihr auch dann keinen Treffer landet, wenn ihr euch die Mühe macht und heimlich die Größenschildchen in der Wäscheschublade studiert. Und selbst wenn sie_er bereits gefittete BHs trägt – nur die Größe verrät nichts über den passenden Schnitt. Nebenbei bemerkt haben die meisten Menschen mehrere BH-Größen, je nach Schnitt, Marke, Zykluslage.

Wenn ihr eurer_m Significant Other eine Freude machen wollt, dann ladet sie doch zum gemeinsamen BH-Shopping ein. Oder kocht doch mal wieder was Leckeres :)

Ich glaube, was mich am Valentinstag am meisten stört, ist die sexistische Konnotation, die in vielen Artikeln und Ads rund um das „perfekte“ Valentinstagsgeschenk mitschwingt. Gerade wenn es um Unterwäsche geht, scheint klar zu sein, dass alle eine Hetero-Beziehung führen, in der nur die Frau Dessous trägt. Dabei scheint es vor allem wichtig zu sein, dass die Wäsche dem männlichen Beziehungspart gefällt. Damit das klargeht, gibt’s einen Dresscode: So soll man „keine Liebestöter“ anziehen und auch die „schlichte Baumwollvariante lieber im Schrank lassen“. Warum? Wenn man sich darin wohlfühlt, kann auch schlichte Unterwäsche sehr sinnlich sein. Vielleicht sinnlicher als alles andere, in dem man sich nur verkleidet fühlt. Diese Aussage ist jedoch noch vergleichsweise harmlos. Eine Fotostrecke zum Thema Valentins-Dessous meint, es sei natürlich wichtig, dass die Dessous dem Mann gefielen. Und zu schüchtern solle man natürlich auch nicht sein. So zumindest der Untertitel zu einem BDSM-inspirierten Wäscheset.

Nichts gegen BDSM, natürlich auch nicht in Bezug auf Lingerie, aber dieser Gedanke, sich nur für eine (womöglich nicht mal existente) Männerphantasie in ein kinky Bondage-Set zu werfen, weil doch Valentinstag ist, missfällt mir doch sehr. Impliziert er doch, dass die Dame eben was Schönes zum Anziehen bekommt und den Herren dafür aber mit Sex beschenkt. Was die Frau möchte, ob sie überhaupt Lust und Freude daran hat, darum geht es nicht.

Apropos Bondage-Lingerie: Da fällt mir direkt die Marke Agent Provokateur ein. Ihre Wäsche mag ungewöhnlich und freizügig sein, das Design gefällt mir aber sehr. Ist eben mal etwas anderes neben dem ewigen T-Shirt-BH in allen Variationen. Was mir allerdings nicht gefällt, ist Agent Provokateurs Marketingabteilung. George von Drüber & Drunter (siehe Blogroll) verfasste dazu vor einiger Zeit schon einmal einen Blogpost. Im Rahmen meiner Valentinsrecherche ist mir ein Spot von AP für deren Spring/Summer 2012 Kollektion aufgefallen, der Kurz vorm Valentinstag 2012 gelaunched wurde und dessen Beschreibung für mich nicht so recht zum Inhalt passt.

 

This film shows a softer, more romantic type of erotica. A feminine sensuality rather than unabashed sexuality, inspired by the dreamy mood, colours and romanticism of the collection.

(Auf Deutsch etwa: Dieser Film zeigt eine weichere, romantischere Form der Erotik. Mehr feminine Sinnlichkeit statt schonungsloser Sexualität, inspiriert von der träumerischen Stimmung, Farben und Romantik der Kollektion.)

Ach soooo. Mensch, gut dass ihr’s nochmal gesagt habt. Das wäre mir jetzt so nicht aufgefallen. Ich sehe da zwar hübsche Dessous, aber vor allem sehe ich zwei Frauen in hübschen Dessous, die einem Mann zu sexuellen Diensten stehen und ihre größte Freude daran haben, dass all seine sexuellen Erwartungen erfüllt werden. Sorry, AP, aber nur weil ihr seidene Decken und Pink verwendet, wird’s nicht romantisch.

Mein absolutes „Highlight“ unter den Lingerie-Einkaufs-Guides zum V-Day habe ich im sogenannten Ratgeber auf blog.de gefunden. Neben den üblichen Tipps für den einkaufswilligen Herren (in die Wäscheschublade gucken, Haarfarbe, Hautfarbe und Kleiderschrankinhalt für ein harmonisch abgestimmtes Dessousset checken), liest man dort Folgendes:

Wenn die Beziehung jedoch keinen Zugriff zur Unterwäscheschublade des Partners erlaubt, muss man raten. Hier bewegt man sich in schwierigem Gefilde: Rät man zu klein, sind die Sachen möglicherweise sehr unbequem und gerade Frauen können sich schlecht fühlen, weil sie das Gefühl haben, den Idealvorstellungen ihres Partners nicht zu entsprechen. Viel zu groß geratene Kleidung hingegen suggeriert, man halte den Partner für besonders übergewichtig.

OK, ich fühle mich also nicht unwohl in zu kleinen Klamotten, weil diese vielleicht überall drücken und kneifen, sondern, und das ist bei mir in meiner Eigenschaft als Frau die Besonderheit, weil ich einsehen muss, dass ich für meinen Partner wohl doch etwas abnehmen muss, weil er eigentlich lieber eine Frau mit Größe 38 statt einer, die 42 trägt, beschenkt hätte. Und wenn ich statt der üblichen 38 eine 42 bekomme, bin ich auf einmal unglaublich übergewichtig. Immerhin haben sie sich gespart zu schreiben, dass das ja nun wirklich schlimm ist. Und damit das hier keine Fatshaming-Aktion wird, wurde noch folgender Nachsatz hinzugefügt:

Wenn [der Partner] natürlich eher Probleme hat, weil er sich zu dünn oder klein fühlt, gelten die obigen Probleme umgekehrt.

Na dann ist ja wirklich allen geholfen!

Als letztes möchte ich noch anmerken, dass ich es überaus schade finde, dass es kaum Unterwäsche-Einkaufs-Guides für Frauen gibt, die ihren Männern zum V-Day eine besondere Freude machen möchten. Und daraufhin eine kleine Freude von ihren Männern erwarten ;) Naja, vielleicht schreibe ich sowas dann im nächsten Jahr.

Wie haltet ihr es mit dem Valentinstag? Ist er euch wichtig oder verzichtet ihr lieber drauf? Sehe ich das alles zu streng oder gehen euch die Werbebotschaften ebenfalls auf die Nerven? Ich freu mich auf eure Kommentare!

Autor:

Ich bin Anne-Luise, 34 Jahre alt und Bra-Fitterin aus Leidenschaft. Was 2010 als Hobby bei www.busenfreundinnen.net angefangen hat, wurde Ende 2012 zu meinem Beruf. Mit meinem Unternehmen BH LOUNGE biete ich persönliche BH-Größenberatung in Hannover. Leider kursieren in Deutschland viele Mythen rund um den BH und das Angebot an passenden Schnitten und Größen ist eher übersichtlich. Das möchte ich gerne ändern.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Valentinstag ist doch wie Weihnachten nur noch ein weiterer Anlass zu mehr Konsum. Schöne Dinge kann ich auch an anderen Tagen schenken und dann zusätzlich noch den Überraschungseffekt nutzen. Lieber schenke ich was, wenn ich Lust aufs Schenken habe und nicht, weil der Kalender sagt, dass es jetzt dran ist.

    First world problems… aber trotzdem, schöner Blog Anne-Luise. :)

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  2. Och, ich habe noch nie was zum Valentinstag bekommen. Das macht mir aber überhaupt nichts aus, weil ich auch unter dem Jahr mit einem Blumenstrauß oder einer Kleinigkeit überrascht werde. Und mir geht es genau so wie dir, die automatische Forderung nach sexuellen Abenteuern sonder gleichen, genau an diesem Tag, in Dessous die Frau vielleicht selbst nie ausgesucht hätte.. nun ja.. *sauer aufstoß* Mich würde ja interessieren, wieviele Frauen tatäschlich Dessous zum Valentinstag geschenkt bekommen – und wie der Abend denn tatsächlich ausgeht. Ich wette, der sieht eher durchschnittlich bis ernüchternd für die männlich geprägte Marketingwelt aus. :P
    Auf einen gemütlichen Abend auf der Couch im Baumwoll-BH, ob mit oder ohne Liebsten, geliebten Stubentiger oder bester Freundin!

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  3. Das Theater um den Valentinstag ärgert mich schon seit Jahren. Du bringst es auf den Punkt. Immer nur Konsum, Konsum, Konsum. Kennt den jemand überhaupt noch die Bedeutung?

    Die Erläuterungen zum Dessouskauf bestätigen übrigens mein Gefühl, dass die meisten Werbemenschen geistig minderbemittelt sind. Man muss ja eigentlich nur die schrillen Werbetrailer in Radio und Fernsehen mal analysieren. Da fragt man sich, was für verbotene Mittel die wohl nehmen.

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