„Wohl in meiner Haut“ – Gisela Enders neues Buch räumt mit dicken Mythen auf

*** Edit: Ich freue mich, dass Gisela Enders ihr Buchprojekt realisieren konnte. Wer mal einen Blick ins Buch werfen möchte – es liegt in der BH Lounge aus ***

Viele Menschen machen sich ständig Gedanken um ihr Gewicht. Meist geht es darum, dass die Waage ein bisschen weniger anzeigen könnte. Angebote, die versprechen, dies zu ändern, gibt es reichlich: Da sind Diät-Programme, nach denen man „alles essen“ kann, Nahrungsergänzungsmittel, die uns angeblich mit allen Nährstoffen versorgen und auch noch lecker schmecken oder Light-Produkte, die „Genuß ohne Reue“ versprechen. Es gibt unzählige Angebote, deren Werbung uns weismachen will, es sei ganz leicht, innerhalb kurzer Zeit und dauerhaft Gewicht zu verlieren. Wer da nicht mitkommt oder mitmacht, ist zu faul oder nicht an der eigenen Gesundheit interessiert.

Andere schwören darauf, dass eins nur weniger essen muss, mehr Kalorien verbrauchen als zuführen. Ist doch ganz einfach! Wer da nicht schlank wird, muss dumm oder disziplinlos sein.

Diese einfachen Gleichungen gehen nicht auf. Die meisten Menschen werden durch Diäten nicht schlank. Diäten bringen den Stoffwechsel durcheinander, der Körper schaltet auf Hungersnot, oft macht sich erst nach einer gewissen Zeitspanne der JoJo-Effekt bemerkbar. Dann kommt schon die nächste Diät. Und so geht es dann immer weiter.

Glücklich macht das nicht. Zum einen fühlt eins sich ständig als Versager*in, zum anderen heißt Diät Warten auf ein besseres Leben. Doch was tut eins bis dahin?

Gisela Enders Foto: Stefanie Schmitt

Gisela Enders
Foto: Stefanie Schmitt

Einige Menschen haben für sich beschlossen, dass sie bei diesem Zirkus nicht mehr mitmachen. Eine von ihnen ist Gisela Enders. Gisela war immer dick. Im Alter von 25 Jahren, nach zahlreichen Abnehmversuchen, beschließt sie, nicht mehr auf ein schönes Leben zu warten. Sie wagt den rebellischen Versuch, als dicker Mensch gesund und zufrieden zu leben und das auch nach außen zu tragen.

Viele Dinge sind in unserer Gesellschaft zumindest von der Mehrheit akzeptiert. Dick und glücklich zu sein gehört nicht dazu. Von dicken Menschen wird erwartet, dass sie unglücklich sind, ständig bestrebt, etwas an ihrer Situation zu ändern. Wer dick ist, kann nicht gesund sein. Wer dick ist, ist nicht schön. Wer dick sein will, muss leiden.

Diesem Bild sind Fette ständig ausgesetzt. Sie sind gewohnt, dass ihre Mitmenschen sie strafend bis belustigend betrachten. Diese Haltung brennt sich ins Selbst. Schon aus der Kindheit und Jugend kennen viele Hänseleien und trauen sich deshalb nicht ins Schwimmbad oder in die Sporthalle zu gehen, auch wenn sie vielleicht Lust darauf hätten.

Dazu schreibt Gisela Enders:

„Als Kinder haben wir uns freudig bewegt, uns nichts dabei gedacht. Doch dann hat vielleicht ein Junge aus der Schule eine dumme Bemerkung gemacht, die Lehrerin hat etwas Negatives im Sportunterricht gesagt oder was auch immer – bei den meisten finden sich Bemerkungen, die immer noch im Gehirn gespeichert sind und die die Meldung abgeben: Sport ist nichts für mich! Das gilt es zu wandeln, neue Erfahrung und andere Sätze zu etablieren. Und Bewegung muss ja nicht gleich Sport heißen. Ein kleiner Spaziergang, ein Tänzchen im Wohnzimmer, morgendliches wohliges Stretchen sind doch alles schöne kleine Bewegungsformen, die einen Anfang ohne Widerstand ermöglichen.“

Um die wiederentdeckte Lust an der Bewegung, aber auch und vor allem um Frieden mit sich selbst und dem eigenen Körper geht es in Giselas neuem Buch „Wohl in meiner Haut“, dass sie per Startnext Kampagne finanzieren möchte. Sie möchte damit Menschen Mut machen, dass ein dickes und fröhliches Leben möglich ist. Und sie möchte mit alten Ammenmärchen rund um ungesundes Gewicht aufräumen.


Zu diesem Zweck und um dicken Menschen eine Stimme zu geben, hat sie den Verein Dicke e.V. gegründet:

„Es gibt wenig Stimmen im deutschsprachigen Raum, die sich für die Akzeptanz von dicken Menschen einsetzen und die deutlich machen, dass kein Mensch ein Recht hat dicke Menschen zu diskriminieren, dies aber dennoch alltäglich passiert.“

Gisela Enders. Dick das Leben leben.

Gisela Enders. Dick das Leben leben.

Als ich vor etwa fünf Jahren begann, mich mit dem Thema Körperakzeptanz zu beschäftigen, war Giselas Buch „Dick das Leben leben“ ein wichtiger Begleiter für mich. Zum ersten Mal sagte mir jemand, dass ich vollkommen ok bin, so wie ich bin, ganz gleich, wie viel ich wiege oder welche Kleidergröße ich trage. Das hat mich sehr beeindruckt, denn dieser Gedanke kam mir bis dato nicht. Es sagt einem ja auch niemand, dass das möglich ist.

Deshalb finde ich es wichtig, Giselas neues Buchprojekt zu unterstützen und bekannt zu machen. Dickendiskriminierung ist leider etwas, worauf sich große Teile der Gesellschaft einigen können, obwohl ein großer Teil der Gesellschaft dick ist. Dagegen müssen wir etwas tun. Gisela antwortet auf die Frage, weshalb sie sich so gegen Dickendiskriminierung einsetzt:

„Weil ich es einen Skandal finde, wie mit einer Gruppe von Menschen, in diesem Fall Menschen mit Gewicht in unserer Gesellschaft umgegangen wird. Und genauso skandalös finde ich, das wir uns so wenig wehren und vieles einfach mit uns machen lassen. Da muss man doch was ändern!“

Die Crowdfunding Kampagne zum Buch „Wohl in meiner Haut“ findet ihr unter https://www.startnext.com/wohl-in-meiner-haut


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Das Buch wird im Juni 2015 erscheinen (so die Crowdfunding Kampage erfolgreich ist) und dann über die Internetseite www.4xl.info oder im Buchhandel für 17,90 € zu bestellen sein.

Für Unterstützer*innen gibt es je nach Betrag ein kleines Dankeschön, wie beispielsweise die Teilnahme an einer Lesung in Berlin, das druckfrische Buch oder sogar einen Platz auf dem Buchcover.

Weitere Informationen zur Entstehung des Buches findet ihr auf www.4xl.info. Hier gibt es auch viele interessante Blogbeiträge zum Thema.

Den Verein Dicke e.V. findet ihr auf Facebook unter https://www.facebook.com/DickeDeutschland und auf Twitter unter @DickerVerein 

 

 

 

 

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