Accept Every Body

Das “Accept Every Body”-Banner soll anzeigen, dass eine Website frei von Körperbewertung ist. Das heißt, dass nicht nur sogenannter Body Snark (also abfällige Bemerkungen / ’snide remarks‘ über Körper) nicht geduldet wird, sondern dass sich die Website/der Blog explizit für die Anerkennung der realen Vielfalt von Körpern einsetzt.

Menschen sind alle unterschiedlich – und das ist auch gut so! 

Mit dieser Aussage könnte man eigentlich auch schon aufhören, gäbe es nicht in der Realität alle möglichen Formen von „Normierung“, also dem Versuch, die Menschen vorwiegend über Abstraktionen zu begreifen. Ein ganz einfaches, unverfängliches Beispiel ist die individuelle Körpertemperatur: diese liegt laut Wikipedia irgendwo zwischen 35,8 und 37,2°C; veranschlagt man den Durchschnittswert (36,5) als Maßstab, dann kann man nicht mehr erfassen, daß das für Person A schon erhöhte Temperatur, für Person B aber eigentlich zu kalt ist, sondern man nimmt beide nur als Abweichungen von der Norm wahr. Wenn man so will, hat man das Verhältnis damit umgedreht.

Body Positivity heißt für uns, nicht sofort der Norm das Recht über das Individuum einzuräumen, sondern zu versuchen eine Person erst einmal als ‚einzeln‘ und ‚besonders‘ zu betrachten.

Wie stark nun der*die einzelne vom vorgeschriebenen Durchschnitt oder auch vom erstrebenswerten Ideal abweicht, hat etwas mit einer Vielfalt von gesellschaftlichen Strukturen und Denkmustern zu tun, deren Analyse völlig den Rahmen dieser Einführung in unser Kampagnenkonzept sprengen würde. Wir hoffen, dass wir uns dieser Komplexität mit Beiträgen von Kampagnen-Teilnehmer*innen nähern können.

Unsere Perspektive ist erst einmal eine sehr mainstream-kompatible: wir sind junge, weiße CIS-Frauen mit deutschem Pass und akademischem Hintergrund. Auch wenn Körpernormativität sehr viel weitergehende Bereiche berührt, beschäftigen wir uns erst einmal ganz banal mit der ständig auf uns einprasselnden Forderung nach Selbstperfektionierung. Wir wollen uns nicht ständig damit befassen müssen, ob wir schön genug sind. Wir wollen nicht permanent über Diäten und Fitnesspläne nachdenken, all unser Geld in Shapewear und Makeup stecken, jedes Körperhaar penibel rasieren, wachsen oder auszupfen. Wir wollen nicht mehr darüber grübeln ob unsere Beine nicht länger/kürzer, unsere Brüste/Hintern/Nasen/Augen nicht größer/kleiner oder unsere Hüften nicht schmaler/breiter sein sollten.

Vor allem wollen wir aber aufhören uns ständig mit anderen zu vergleichen. Egal ob nun als Lästerattacke oder als Kompliment – die Besessenheit von Frauen sich zu optischen Eigenschaften anderer ins Verhältnis zu setzen, wiederholt einfach nur endlos die frustrierende Erkenntnis, dass keine, egal wie schön, perfekt sein kann und es immer andere gibt, die vorgeblich schöner und deswegen auch zufriedener sind. Diese Sisyphos-Arbeit zieht Energie von anderen und – wie wir finden – viel wichtigeren Lebensbereichen ab.

Mit unserer Aktion “Accept Every Body” möchten wir Räume schaffen, in denen der alltägliche Normierungsdruck keinen Platz hat. Dabei legen wir Wert auf…

  • … die Anerkennung der realen Vielfalt, in der keine Körperform als erstrebenswert  herausgehoben wird

  • … eine wertschätzende Atmosphäre, in der sich jede Person mit ihren individuellen körperlichen Merkmalen (Hautfarbe, Haarfarbe, Geschlecht, Figur, Gewicht, Größe, …) zu jedem Zeitpunkt angenommen fühlen darf

  • … Respekt gegenüber der persönlichen Entscheidung, inwieweit eine Person ihren Körper verändern möchte

  • … eine Diskussionskultur, die sich darum bemüht, auf die Zuweisung von Eigenschaften aufgrund körperlicher Merkmale zu verzichten

  • … das Zugeständnis an jede Person, egal welchen Alters oder Lebensabschnitts, das zu tragen und sich so zu geben, wie es sich für sie gut anfühlt

Ihr findet euch und eure Webseite/euren Blog in dieser Beschreibung wieder? Prima! Dann macht mit bei unserem Projekt und kennzeichnet eure Page mit dem „Accept Every Body“-Badge. Wir hoffen auf eine lange Liste körperpositiver Websites, die wir an dieser Stelle gerne verlinken.

Uns interessieren auch eure Eindrücke und Meinungen. Inwiefern erlebt ihr Körperbewertung im Alltag? Wie geht ihr damit um? Vielleicht wurde euch schon einmal ein anderer Kleidungsstil nahegelegt, der zu eurer Körperform/eurem Alter/Lebensabschnitt angeblich passender ist. Oder ihr fühl euch dadurch gestört, dass in den Modezeitschriften überwiegend “Menschen aus Plastik” erscheinen, die in der Mehrzahl schlank und weiß sind. Vielleicht seid ihr es auch leid, dass andere Menschen sich erlauben, darüber zu urteilen, ob ihr “weiblich” oder “männlich” genug wirkt?

Wir freuen uns über eure Kommentare, Sichtweisen und Erfahrungen zum Thema! Teilt sie doch auf unserer Facebookseite oder Twitter unter dem Hashtag #accepteverybody mit uns. Natürlich würden wir es total klasse finden, wenn ihr Lust habt, über das Thema zu bloggen. Eure Blogposts verlinken wir gerne an dieser Stelle. Solltet ihr keinen eigenen Blog haben, könnt ihr sehr gerne einen Gastartikel verfassen. Schreibt uns an, diskutiert mit uns – und mit anderen!

Towanda! Eure George und Anne

8 thoughts on “Accept Every Body

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  3. vor kurzem hatte ich wirklich ein Aha Erlebnis, wie schlimm es wirklich unter Frauen meines Alters (18) mit ihrer Wahrnehmung ist. Wir standen alle zusammen und das leidige Thema, „was mag ich nicht an mir ging“ wieder los. Mitten im Gespräch hab ich einfach mal „ich mag meine Taille “ rausgehauen. Die anderen haben geradezu schockiert geguckt, als hätte ich ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen.
    Dann habe ich erkärt dass ich finde dass jeder auchmal sagen soll was er an sich mag, statt immer nur rumzumäkeln. Nach einiger überlegung fanden alle etwas was sie an sich mochten.
    Aber diese schokierten Minen haben mir gezeigt, wie wenig es in der Gesellschaft anerkannt ist wenn man nicht hyperkritisch mit sich selbst angeht.

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