Pink ist schwul! Oder etwa nicht?

marcus-im-bluetenparadies

Marcus hat mich dabei unterstützt, die Aktion „Accept Every Body“ ins Leben zu rufen, indem er das Logo zeichnete, ein Video animierte und sprach und mit mir viele Diskurse rund um das Thema (Körper-)Akzeptanz führte. Mit Vorurteilen auf Grund von Äußerlichkeiten kam er zum ersten Mal selbst in Kontakt, als er begann, sich etwas bunter anzuziehen. Menschen wiesen ihm ein Geschlecht und eine sexuelle Orientierung zu – und alles nur wegen einer pinken Jacke. Um diese Erfahrungen und die Liebe zum Buntsein geht es in diesem Gastartikel. 

Artikel zum Anhören:


Es ist Sommer und die Natur erstrahlt in bunter Pracht. Doch die Menschen hierzulande scheinen sich davon nicht weiter inspirieren zu lassen. Die Farben ihrer Kleidung sind schon seit vielen Jahren monoton und trist. Für meinen Geschmack zu gedeckt und farbarm.

Haben die Menschen solche Angst vor dem Bunten?

Kann doch nicht sein, dass die Mehrheit so langanhaltend auf eine eingeschränkte Farbpalette steht, obwohl gesagt wird, dass wir zu immer mehr Individualität streben. Ein breiteres Farbspektrum würde diese doch begünstigen. Seh ich mich aber in der Männerabteilung eines typischen Kleidungshauses um, entdecke ich hauptsächlich Schwarz, Weiß, Grau, Dunkelblau und noch ein paar Erdtöne hier und da. Das war’s.

Vor zehn Jahren hat mich das noch nicht gestört, Hauptsache ich hatte irgendwas zum Anziehen. Marke hin oder her.. das ganze In-oder-Out-Sein ging mir am Arsch vorbei. Als mir aber bewusst wurde, wie sehr Farben und passende Kleidung die eigene Stimmung beeinflussen können, hat mir das die Augen geöffnet. Weg mit der Blue Jeans, hinein in die bunte Welt der Zunftkleidung. Mit Zünften hatte ich eigentlich nix am Hut, doch so eine große Auswahl an Farben hab ich sonst noch nirgends gesehen. Ich war total happy über diesen Fund.

Kurz darauf bekam ich aber auch bei mehreren Gelegenheiten zu spüren, warum Farben ein heikles Thema sein können. Gerade wenn sie klischeehaft einem Geschlecht zugeordnet werden. Die rote Hose in Kombination mit den langen blonden Haaren sorgte bei einigen Menschen für Verwirrung: „Bist du ein Mann oder eine Frau?“ – wurde ich mehrfach gefragt. Äh, spielt das irgendeine Rolle?
In der Disko fasste mir ein Mann an der Theke unvermittelt an den Hintern und fragte mich, ob ich in jener Nacht noch was vor hätte. „Sorry, gerade stehe ich mehr auf Frauen, viel Glück beim Nächsten!“

Es gab aber auch viele positive Reaktionen. Hatte ich meine maigrüne Hose an, die im Sonnenlicht ihr saftiges Grün verstärkt betonte, wurde ich häufiger unterwegs gefragt, wo es die denn zu kaufen gäbe. Die Lust auf „Mal was anderes!“ ist also bei der einen und dem anderen schon vorhanden.

Oft ist die Suche nach eben jenem leider ernüchternd zeitaufwendig. Wenn ich mir aber die Mühe mache und ein bisschen tiefer grabe, zum Beispiel in second hand Läden, gibt es hier und da auch mal eine bunte Perle aus weiter zurückliegender Zeit zu bergen. Dazu braucht es natürlich eine gehörige Portion Mut, diese Perle in einem Meer aus düsteren Tönen dann auch zu tragen und die musternden Blicke, der aus dem Meer herausstechenden tausend Augen, auszuhalten.

Neulich war ich auf der Jagd nach einer farbenfrohen Badehose. In der Stadt herrschte leider Mangelware, aber im Internet wurde ich nach einiger Zeit fündig: Rot mit einem breiten pinken und violetten Streifen an der Seite. Gefällt mir außerordentlich gut. Und falls mir wieder einer kommt mit „das sind aber weibliche Farben, wie kannst du sowas als Mann anziehen!“ dem sage ich jetzt direkt ins Gesicht:

Farben haben kein Geschlecht!

Wenn ich Barbie-Pink tragen will, trage ich Barbie-Pink. Nur so kann ich die alten Klischees durchbrechen. Und letztendlich tun wir uns alle einen Gefallen, wenn wir uns nicht darum kümmern, was andere über uns denken könnten, wenn wir den pink-türkisen Trainingsanzug tragen. Denn das ist reine Energieverschwendung, da jeder sowieso was anderes denkt.

Es wird uns viel einfacher fallen, wenn wir uns rein auf unseren persönlichen Geschmack konzentrieren und ganz unzensiert das anziehen, worauf wir gerade Lust haben und worin wir uns wohlfühlen.

Ich mach das jetzt jedenfalls so und fühl mich gut, auch wenn die Farben des Trainingsanzugs nicht ganz zu meinem Hautton passen.. 😉

regenbogen-bad

 

Vielen Dank für diesen Beitrag und die tollen Fotos 🙂
Wer mehr von Marcus lesen möchte, möge ihn auf seinem Blog http://sprecherausleidenschaft.de/blog/ oder auf Twitter besuchen.