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Black F-Day

Black F-Day

Black F-Day

Black Deal, Black Sale, Black Week. Auch wenn dieser Tag im November noch nicht allzu lang in Deutschland bekannt ist, haben wir schnell kapiert: Es geht um satte Rabatte.

Ob der Name „Black F-day“ vom Börsencrash stammt oder daher, dass Händler_innen schwarze Hände vom Geldzählen bekommen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ist aber auch egal. Der Preis zählt.

Händler_innen verdienen viel, Konsument_innen sparen viel. Klingt erst mal nach win-win. Ich als Händlerin frage mich, ob ich da mitmachen sollte. Während ich überlege, trudelt ein Business-Newsletter ein, in dem zu lesen ist, dass ich die Wörter „Black“ und „Friday“ auf keinen Fall in Kombination verwenden soll. Ich könnte abgemahnt werden. Eine Firma hat sich die Marke gesichert. Auch ein Geschäftsmodell.

Ich frage mich zuerst: „Wie sehe ich das als Konsumentin?“

Sparen finde ich gut und wenn ich weiß, dass ich das, was ich mir schon lange kaufen möchte, an einem bestimmten Tag günstiger haben kann, dann warte ich auf diesen Tag. Oder, wenn ich kein bestimmtes Teil möchte, gehe ich los und schaue, was sich mir so anbietet. Mehr Kaufrausch für weniger Geld. Tüte voll – toll!

Mal angenommen, ich verschlafe diesen Special Sale Tag. Ich wache am Samstag auf und denke: „Warum soll ich für etwas heute 60 Euro zahlen, das gestern 30 oder 40 Euro kostete? Da ist doch irgendwas faul.“ Ich stelle mir eine Person vor, die an einem riesigen Schreibtisch sitzt und mit dem Taschenrechner Preisspannen ausrechnet. Es entsteht der Eindruck, dass das Teil tatsächlich 30 oder 40 Euro kostet, damit das Unternehmen Gewinn einfährt und dass diese 60 Euro völlig willkürlich gewählt sind. Auf einmal haben die Dinge einen anderen Wert. An den restlichen nicht-rabattierten Tagen im Jahr fühle ich mich betrogen.

Was denke ich als Händlerin dazu?

Ich möchte meinen Kund_innen nicht betrügen. Das gilt für die Beratung und ebenso für die Preisgestaltung. Deshalb gibt’s heute einen Blick hinter die Kulissen.

Wenn ein BH 60 Euro kostet (inklusive 19% MwSt.), dann ist er so viel wert. Warum?
Eine_r hat den Stoff gefertigt.
Eine_r hat sich das Design überlegt.
Eine_r hat Stoffe und Zubehör ausgewählt.
Eine_r hat den BH genäht und in Form gebügelt.
Eine_r hat den BH noch mal anprobiert, damit eine_r sehen kann, ob das Design auch sitzt. (Meistens sind das mehrere, vor allem, wenn das Größenspektrum groß ist, können es auch sehr viele sein)
Eine_r hat nochmal was am Schnitt geändert.
Eine_r hat den BH verschickt.
Eine_r hat den BH zugestellt.
Eine_r ist mit dem BH herumgereist, auf Messen und zu Händler_innen.
Eine_r hat den BH noch mal angezogen, um die Entscheidungen zu erleichtern, ob der BH eingekauft wird.
Eine_r hat den BH fotografiert für einen Katalog und für eine Werbung.

Am Ende muss ich entscheiden, ob dieser BH gut für meine Kundschaft ist. Und, ob ich ihn für dieses Geld, mit dem all diese Arbeiten und meine eigene Arbeit bezahlt werden, verkaufen kann.

So ein durchschnittlicher BH besteht aus 45 Teilen. Lingerie ist immer ein kleines Meisterwerk. Und wenn ich etwas anbieten will, was auch wirklich eine_r bezahlen kann und möchte, dann muss ich damit leben, dass ich mit Lingerieverkauf nicht reich werden kann.

Das heißt: Die Margen sind für mich als kleine Einzelhändlerin bereits eng kalkuliert.

Das ist OK. Solange ich nicht beim Black F-Day mitmachen muss.

„Aber einen Tag mal weniger verdienen, das kannste dir doch leisten!“

Das stimmt. Wenn ich mal krank bin oder ein Schneesturm kommt oder Stromausfall ist, verkraftet mein Business das. Deshalb hatte ich auch überlegt, diesen Tag meinen Kund_innen als Geschenk anzubieten. Denn das wäre es. Ein Geschenk.

Ich habe mit Kolleg_innen und anderen Einzelhändler_innen gesprochen. Niemand denkt sich: Ja geil, Black F-Day. Da mach ich den Umsatz des Jahres!“

Gewinn machen mit solchen Sale-Tagen die Großen. Die globalen und lokalen Ketten, die Vertikalen mit eigener Produktion oder wahnsinnig hohen Margen, weil sie wahnsinnig hohe Stückzahlen produzieren oder einkaufen und eben nicht nur 5 Unterhosen.

Wenn man drüber nachdenkt, ist das klar. Ich weiß aber, dass es mir nicht bewusst war, bevor ich einen Laden hatte und deswegen schreibe ich es noch mal auf.

Allerdings erstrecken sich die Auswirkungen des Verlusts nicht nur auf einen F-Tag oder eine F-Week. Sie sind weitreichender. Menschen sparen in der Zeit zuvor, um mehr Geld am Black F-Tag zu haben. Menschen geben Geld am Black F-Tag aus und danach erst mal nicht mehr. Bei vielen von uns Händler_innen ist es ruhig dieser Tage.

Und das trifft uns zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Herbst/Winter Kollektion ist jetzt komplett. Volle Läden, volle Briefkästen mit Rechnungen. Von den Verkäufen der aktuellen Kollektion zum normalen Preis leben wir. Zu einem gewissen Anteil muss das geschehen, damit wir uns die nächste Kollektion leisten können. Und die Bestellungen für Zwischendurch.

Deshalb ist der Black F-Day wirtschaftlich auch etwas anderes als Sale. Einige Einzelteile zum vergünstigten Preis anzubieten, das muss sein, damit das Lager frei für die Bademode im nächsten Jahr ist und das Bankkonto nicht verteilt auf Bügeln hängt. Dass bei hunderten Größen einzelne Teile übrig bleiben, ist normal. Extra billige Dinge einzukaufen, die ich am Black F-Day zum gut kalkulierten Preis und sonst mit wesentlich höherer Marge verkaufen kann, finde ich nicht normal. Dadurch werden Bedürfnisse befriedigt, die sonst gar nicht da wären. Es ist eine Einladung zum Über-Kosum, die nur mit Waren in schlechterer Qualität oder schlechteren Produktionsbedingungen realisiert werden kann. Und das möchte ich einfach nicht.

So handhabe ich es wie an jedem anderen Freitag auch.

Ich erklären Kund_innen, wie sie am besten mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Ich fahre herum und besuche diejenigen, die nicht zu mir kommen können, weil ihnen die Treppen zu viel sind. Ich schaue mir alte Schätze an und gebe Tipps, wie sie von einer Schneiderei wieder tragbar gemacht werden können. Ich empfehle Menschen aus einer anderen Stadt Läden aus einer anderen Stadt. Ich laufe zum Briefkasten. Ich lasse Leute erst mal ankommen und sich umschauen. Ich lade sie lieber ein, ein anderes Mal wiederzukommen, wenn heute noch nicht das Richtige dabei ist. Soviel Zeit muss sein. Soviel Geduld möchte ich euch schenken. An diesem Freitag und an allen anderen Tagen auch.

Update 2019: Tipps für Personen mit wenig Budget

Da es Personen gibt, die wenig Geld zur Verfügung haben, möchte ich hier aus Transparenzgründen unsere SALE-Zeiten und -Preisgestaltung erwähnen: Zum Ende der Frühjahr/Sommer- bzw Herbst/Winter-Saison bieten wir Ware aus vergangenen Kollektionen zu günstigeren Preisen an. Die Preise liegen für BHs und Badeoberteile zwischen 19€ und 29€, für Slips und Badeunterteile zwischen 5€ und 9€.

Wir bieten die Möglichkeit, euch in die Kund_innenkartei aufzunehmen. Ihr könnt zur Anprobe vorbeikommen und eure passenden Modelle notieren lassen, die ihr euch dann wünschen könnt. Außerdem bieten wir Gutscheine mit frei wählbaren Beträgen, die nicht verfallen.

Für Personen, die sehr wenig oder gar kein Geld zur Verfügung haben, empfehlen wir die Portale Busenfreundinnen.net sowie Bratabase (eng.). Dort erhaltet ihr von ehrenamtlichen Fitter_innen und der Community Beratung. Beide Portale haben einen Flohmarkt, auf der Plattform Bratabase gibt es die Möglichkeit, BHs umsonst zu erhalten.

Autor:

Ich bin Anne-Luise, 34 Jahre alt und Bra-Fitterin aus Leidenschaft. Was 2010 als Hobby bei www.busenfreundinnen.net angefangen hat, wurde Ende 2012 zu meinem Beruf. Mit meinem Unternehmen BH LOUNGE biete ich persönliche BH-Größenberatung in Hannover. Leider kursieren in Deutschland viele Mythen rund um den BH und das Angebot an passenden Schnitten und Größen ist eher übersichtlich. Das möchte ich gerne ändern.

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