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Wie ein passender Bikini mir zeigte, dass ich richtig bin

Mein erster Kontakt mit dem Thema Body Acceptance fand im Internet statt. Dort fand ich dicke Frauen, die sich in passender bunter Kleidung zeigten. Dicke Frauen wie ich. Das fand ich unglaublich bestärkend. Eine der ersten, die ich auf Twitter entdeckte, war Meike Rensch-Bergner alias Frau Crafteln.
Meike zeigte sich in selbstgenähten passenden Kleidern und sah einfach umwerfend aus. Revolutionär, denn so etwas kannte ich bisher nur aus DIY Zeitschriften, mit schlanken Frauen als Models.
Inzwischen tauschen Meike und ich uns regelmäßig aus. Mit ihr durfte eine großartige Person näher kennenlernen, die sich dafür stark macht, dass alle liebenswert sind, egal wie sie aussehen. Ihr könnt euch daher meine Freude vorstellen, als ich letztens eine E-Mail erhielt: Anne-Luise, ich hab da mal was für deinen Blog geschrieben. Ich las und bekam Gänsehaut. Viel Spaß mit Meikes Text :)

Es ist heiß und ich habe eigentlich mehr Lust darauf, den Sommer zu genießen, als zu arbeiten. Also verbinde ich das Angenehme mit dem Nützlichen und schreibe einen Blogpost über Schwimmen, über Körperakzeptanz und gut passende Kleidung, den ich Anne-Luise von der BH-Lounge ohnehin versprochen hatte und schwelge dabei noch ein bisschen in Erinnerungen meines Bade-Urlaubs von letzter Woche. 

Wir brauchen mehr Bilder von Bikinis in großen Größen! Nur so wird es Normalität, dass es sie gibt. Danke an Meike für dieses Bild von ihrem nachtblauen Bikini <3

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne schwimme – oder genauer gesagt weiß das, wer in den letzten beiden Jahren mit mir Kontakt hatte. Geschwommen bin ich zwar schon immer gerne, aber als dicker  Mensch hatte ich mir schon vor Jahren das Vergnügen verboten. Doch seit dem ich einen gut passenden Bikini habe, gehe ich meiner Leidenschaft nach. Mittlerweile besitze ich sogar 3 gut passende Bikinis*. Die brauche ich auch, weil ich mittlerweile mehrmals die Woche schwimme. 

Ich trage eine große Größe oder anders gesagt: ich bin dick und das schon ziemlich lange. Mein Lieblingstier ist der Pinguin: An Land wirkt er unförmig und tollpatschig, aber sobald er im Wasser ist, schwimmt er elegant und schnell. Im Wasser zu sein, fühlt sich für mich so leicht und gut an. Ich genieße das sehr. 

Meike Rensch-Bergner gibt Schnittmusterkurse und verhilft damit Menschen zu einem besseren Körpergefühl.

Jahrelang schämte ich mich für meinen dicken Körper. Einen Badeanzug zu kaufen und zu tragen war auch kein Vergnügen. Was beneidete ich Frauen mit kleinen Brüsten, die diese Kleidungsstücke, bestehend aus winzigen Dreiecken tragen konnten, die nur mit dünnen Bändchen zusammengehalten werden. Meine Badeanzüge kaufte ich in Kaufhäusern bei denen ich in der hintersten Ecke eine minimale Auswahl zwischen mehrlagigen Monstern und plattgedrückten Brüsten in hässlichen Mustern finden konnte. Mit Freund*innen Schwimmen zu gehen, war schwierig, das tat ich nur alleine. Aber richtig wohl fühlte ich mich nicht dabei auch nicht. 

Endlich gibt es Bikinis in tollen Mustern auch in großen Größen!

Seit gut einem Jahrzehnt nähe ich mir nun meine Kleidung selbst. Ich habe herausgefunden, wie toll ich in gut passender Kleidung aussehen kann und wieviel Selbstbewußt sein mir das gibt. Ich gebe mein Wissen, wie Schnittmuster zu Maßschnittmustern gemacht werden können, gerne an andere Frauen weiter, doch am Nähen eines Badeanzugs bin ich gescheitert. Ich nähte ein unförmiges Monster mit Statikproblemen, das auch nicht schicker wurde, als ich einen alten BH einnähte. Es war zum Verzweifeln! 

Meike hat sich für den Paradise Palm Bikini von Elomi entschieden. Diese Bilder sind beim professionellen Shooting von Silvana Denker Fotografie für die BH Lounge entstanden. Model: Stacy M. Johnson

Bei einem Brafitting lernte ich, dass ich bisher eine komplett falsche BH-Größe trug und entdeckte BHs, die mir eine besser Haltung und eine schönere Silhouette bescherten. Plötzlich kam ich auf die Idee, es einmal mit einem Bikini zu versuchen. Verrückt! Aber warum eigentlich nicht? Was wäre, wenn ich statt eines Quetsch-Badeanzugs, ein Bikini-Oberteil tragen würde, das einfach gut passt und eine Hose, die ja nicht unbedingt nur ein winziges Dreieck vorne und hinten sein müsste. 

Der erste passende Bikini war eine Offenbarung! Alles fühlte sich so gut eingepackt an. Ich hatte ein schönes Décolleté und vergaß dabei, an meinen Bauch zu denken! Ich dachte auch nicht viel daran, wie andere Menschen mich sehen, sondern fühlte mich einfach wohl. Ich fühlte mich so wohl, dass ich nach einigen Bahnen Schwimmen etwas machte, was ich seit meiner Kindheit nicht mehr getan hatte: ich machte einen Kopfsprung ins Wasser! Mein Körper schnellte pfeilschnell durchs Wasser, alles blieb genau dort, wo es hingehört. Was für ein Gefühl! Es prickelte am ganzen Körper und ich war stolz wie ein Pinguin.

Meike trägt im Bikini die Größen 90L/3XL und hat damit eine ganz ähnliche Größe wie Model Stacy <3

Seitdem schwimme ich mehrmals die Woche. Egal, ob andere schneller schwimmen als ich: ich schwimme und schwimme und schwimme. Meine Gedanken fließen nirgendwo so gut, wie beim Schwimmen, ich fühle mich stark und elegant. Ich fühle mich richtig. 

Ich schwimme, weil es mir gut tut, aber ich schwimme auch, weil ich weiß, das andere schauen. Immer dann, wenn ich wieder einen Kopfsprung mache, dann weiß ich, dass Erwachsene und Kinder die dicke Frau im bunten Bikini sehen, die sich was traut. Das ändert etwas. Sie müssen mich nicht schön finden, sie müssen mich nicht bewundern, das ist mir wirklich schnurzpiepegal, aber je öfter sie eine dicke Frau im Bikini sehen, die einen Kopfsprung macht und ausdauernd schwimmt, umso normaler wird es hoffentlich für uns alle, dass alle Körper gute Körper sind und das tun sollten, was ihnen gut tut, statt zu bewerten oder sich zu schämen. 

Lange Zeit dachte ich, dass es unmöglich wäre mit einem Körper wie dem Meinen, Spaß im Schwimmbad zu haben. Heute weiß ich, dass meine schlechten Gefühle alleine daran lagen, dass es keine gute Schwimmbekleidung für mich gab. Das ist glücklicherweise heutzutage anders. In Geschäften wie der BH-Lounge gibt es Wäsche und Bademoden für viele unterschiedliche Körper. Wie großartig! Probiert es auch aus und genießt damit Situationen, die ihr euch lange versagt habt. Was wäre das für eine wundervolle Welt, in der wir uns alle richtig fühlen und Spaß haben!

Wenn ihr nun mehr über Meike erfahren möchtet, empfehle ich euch wärmstens ihren Podcast „Passt!“ Dort geht es vor allem darum, was passende Kleidung mit uns macht. „Sie macht uns stark und schön“, sagt Meike. Um insbesondere dicke Menschen zu bestärken, hat Meike neben der Facebookseite die Facebook-Gruppe Curvy Crafteln gegründet. Dort können sich Nähbegeisterte über Kleidung für große Größen austauschen. Ihr bekommt Tipps zum Selbstnähen oder wie ihr bereits vorhandene Kleidung durch Änderungen anpassen könnt, so dass alles sitzt.

Autor:

Ich bin Anne-Luise, 34 Jahre alt und Bra-Fitterin aus Leidenschaft. Was 2010 als Hobby bei www.busenfreundinnen.net angefangen hat, wurde Ende 2012 zu meinem Beruf. Mit meinem Unternehmen BH LOUNGE biete ich persönliche BH-Größenberatung in Hannover. Leider kursieren in Deutschland viele Mythen rund um den BH und das Angebot an passenden Schnitten und Größen ist eher übersichtlich. Das möchte ich gerne ändern.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    Ich hab auch gerade beim lesen eine Gänsehaut bekommen,wie wahr,wie wahr…..
    Persönlich war ich seit Jahren nicht mehr schwimmen,auf Grund meiner Gewichtszunahme und des fehlenden Badeanzug/Bikini.
    Vielen Dank für diese Geschichte

    Antworten

  2. Super Story! Ich hab früher als ich noch weniger dick war als heute Bikinis getragen, aber heute… no way… ich will mich nicht anglotzen lassen oder belächeln. Badeanzüge ziehe ich aber ebenso nicht an, weil die ja auch nur unnötig das hervorheben, was ich „zu viel“ auf den Rippen habe. Folglich gehe ich einfach gar nicht mehr ins Schwimmbad…is eh viel zu teuer :D

    Abgesehen davon war ich nie ein Fan vom Schwimmen, das hat mir der Schulschwimmunterricht verleidet. Immer dieses „Du musst das in der und der Zeit schaffen“ oder „Du musst so und so viel Bahnen schwimmen“… ich bin auch früher nur gerne in Spaßbäder gegangen, weil’s da mehr um Wasserrutschen, Whirlpools, Strudel und andere Wasserspaßattraktionene geht. Normale Schwimmbäder fand und finde ich öde. Bahnenschwimmen ist dank meiner Erfahrungswelt irgendwie zu etwas langweiligem verkommen oder aber etwas, was man sich „antun muss“ etwa weil’s „gesund“ ist oder „’ne bessere Figur macht“…allgemein sehe ich sportliche Betätigung aus so einer Perspektive, weil einem in der Schule so viel aufgezwungen wurde, was man gehasst hat und dafür dann auch noch benotet wurde und das sicherlich nicht nur durch die Lehrer.

    Folglich…selbst wenn ich plötzlich einen super sitzenden Bikini hätte, fände ich mich dennoch nicht attraktiv genug für’s Schwimmbad. Prinzipiell ist mir egal was wildfremde Menschen von mir halten, aber forcieren muss ich dumme Kommentare oder hämisches Glotzen auch nicht unnötig. Mein Selbstwert ist ohnehin mehr pseudo als alles andere…

    Trotzdem SUPER!!! dass du es mittels deines Schneidereitalents und mit Brafitting geschafft hast dieses einst geliebte Hobby für dich zurück zu gewinnen! Es lässt irgendwo eine kleine Hoffnung aufkeimen, dass es mir VIELLEICHT auch mal irgendwann so gehen könnte. Vielleicht nicht im Bezug auf’s Schwimmen, aber zum Beispiel auf gewagtere Kleidung. Dafür müsste ich nur anfangen mich selbst zu lieben und mich gegen Verwandschaft durchzusetzen, die mich bei nem ETWAS engeren Oberteil schon fragt, ob ich zugenommen habe. Aber ich liebe zur Zeit dann doch lieber andere… meinen Freund zum Beispiel ;-)

    LG

    Rike aus dem Lipperland

    Antworten

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