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Wir streiken!

Eigentlich sollte das hier nur eine kurze Ankündigung werden. Am 20. September ist weltweiter Klimastreik. Wir streiken auch. Eingeschränkte Öffnungszeiten. 10 bis 12 Uhr.

Doch als ich mich entschieden hatte, dass für die Klima-Demonstration am 20.09.2019 der Laden geschlossen wird, gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf.

Wissen die Kund_innen, dass wir mit Nachhaltigkeit und so überhaupt was zu tun haben? Schließlich sind wir kein Green-Concept-Dingsbums-Store…
Ist die Teilnahme am Klimastreik eine Ego-Nummer von mir, weil mir das Thema wichtig ist und ich selbst unbedingt zur Demo will?
Werden es die Kund_innen verstehen, dass wir streiken?

Zunächst war ich mega erleichtert, dass auch meine Mitarbeitenden gern am Streik teilnehmen möchten, die Wichtigkeit erkennen, sich freuen, dass wir gemeinsam auf die Straße gehen. Hätte ja auch anders sein können. Schließlich hab ich jetzt nicht nur Verantwortung für mich, sondern auch für zwei andere People. Und wenn so ein Arbeitstag ausfällt, bedeutet das ja immer, einen Ausweichtermin für die Arbeit zu finden oder falls das nicht klappt, die Stunden nicht arbeiten zu können. Aber alles klappt. Wir gehen. Und ich habe die besten Angestellten von allen.

Und mir wurde klar:

Wenn ich nicht weiß, ob alle wissen und verstehen, weshalb wir mitstreiken, muss ich darüber schreiben

Früher war das ja mal so: Wer grüne Mode kaufen wollte, ging in ein Special Geschäft, das ein bisschen nach Körnern duftete und in dem sich Menschen mit wallendem Gewand entspannt unterhielten. Zumindest kenne ich das so. Es war scheinbar eine besondere Spezies, die in solchen Geschäften kaufte. Alle anderen wussten, dass das mit dem nachhaltigen Konsum schon irgendwie wichtig ist, aber naja. Mit Plastiktüten ging man locker um und freute sich über schöne Aufdrucke. Je höher der Preis für Mode, desto opulenter sollte auch die Verpackung sein. Und das weiß ich, da meine Mama sehr gern in luxuriösen Geschäften kleine Accessoires kaufte, die nicht zu teuer waren, aber schon so, dass man sich mit diesem Hauch von „Das ist jetzt was ganz Besonderes“ umgeben konnte. Das liebte sie. Sorgfältig komponierte Verpackungen aus Papierchen, Seiden, Schächtelchen, Umschlägen und Schleifen gehörten natürlich zum Einkaufserlebnis dazu.

So dachte ich auch, dass die Menschen immer mehr erwarten, wenn sie ihr Geld für Qualität ausgeben. Hier noch ein kleines Geschenkchen, ein Seidenpapier und Schleifchen und ein besonderes Tütchen. Gerade Wäsche erfordert eine besondere Reinheit, denn wir tragen sie hautnah. Da musste natürlich auch beim Versand die Verpackung Unberührtheit ausstrahlen. Ich fühlte mich immer ganz schlecht, wenn das Seidenpapier zuneige ging, und ich statt des schönen rosé- oder goldfarbenen Papiers ein graues oder weißes nehmen musste, da ich es nicht rechtzeitig geschafft hatte, Nachschub zu bestellen.

Einige Hersteller_innen nutzen Sammelverpackungen anstatt jedes Teil einzeln zu verpacken. Das begrüßen wir und danken vor allem unseren Firmen Format/Dacapo, Nessa und Fräulein Annie für nachhaltiges Verpacken.

Im Laufe der Zeit wurde das Geschäft größer, es kam mehr Ware, es gingen mehr Bestellungen raus. Berge von Verpackungsmaterial türmten sich. Neues, fertig für den Versand. Gebrauchtes, das ich nicht übers Herz brachte, sofort wegzuschmeißen. Es machte mich irgendwie traurig, dass diese Dinge nur für eine Reise produziert wurden. Sie waren doch noch gut und sollten auf den Müll, während ein schwitzender Paketmensch die frischen Kartons in den zweiten Stock zu mir in den Laden hievte.

Eine Lösung musste her.

Die ganzen Verpackungsmaterialien waren da. Sie waren nicht verschmutzt, hatten sie ja nur für die Dauer einer Reise neue Höschen und BHs beherbergt. Ich überlegte, was das Auspacken eines Päckchens aus der BH Lounge besonders macht. Natürlich soll alles ordentlich sein. Viel wichtiger als ein knitterfreies Papier, das nach dem Auspacken meist weggeschmissen wird, sind die persönlichen Worte, die ich jedem Paket auf einem Zettel oder Kärtchen beilege. Ich möchte, dass die Kund_innen unsere Freude und Dankbarkeit für Ihren Einkauf spüren können. Und mir wurde etwas klar. Zur Wertschätzung für andere gehört auch die Wertschätzung für unsere Umwelt und die Ressourcen. Ich entwarf einen Zettel.

Als ich ein Bild des Zettels auf Instagram postete und die ersten Pakete rausgingen, war die Resonanz überraschend. Niemand meckerte. Alle feierten es. Und ich bekam sogar Anfragen von Kolleg_innen, ob sie die Idee „klauen“ dürften.

Inzwischen sind die Menschen in meinem Umfeld und ich deutlich bewusster im Umgang mit unserer Umwelt geworden. Auch meine Kund_innen. Heute bringen etwa 80% ihren eigenen Einkaufsbeutel mit und lehnen die angebotene Tüte dankend ab. Auch wenn wir nur ein kleines Licht unter den Unternehmen sind – ich kann schon deutlich spüren, wie viel Papier das spart. Das ermutigt mich, weiterzumachen und bei vielem genauer hinzuschauen:

  • Noch in diesem Jahr werden wir Bademode aus recycelten Materialien bekommen
  • Wir beziehen viele Waren von kleinen Firmen. Kleine Firmen sind flexibler als große und kriegen es hin, Verpackungsmaterial zu sparen. Auf Wunsch werden Teile in einer Sammelverpackung und ohne Einzellieferungen gebracht. Superb!
  • Kurze Transportwege und nahe Herstellung schonen unsere Erde. Regionale Produktion ist uns wichtig und ich finde es schön, dass Kund_innen dafür gern die angemessenen Preise zahlen.
  • Im Stadtgebiet von Hannover mache ich bei Kund_innen Hausbesuche, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht zu uns kommen können. Alle Hausbesuche erledige ich mit dem Fahrrad oder ÖPNV. Die Zeiten, als ein Auto als Statussymbol für ein laufendes Geschäft galt, sind zum Glück vorbei.
  • Wir besuchen regionale Messen mit Bus und Bahn.
  • Damit auch unpassende BHs nicht weggeworfen werden müssen, habe ich auf unserer Facebookseite eine Flohmarktgruppe eingerichtet, in der ihr eure Schätzchen anbieten könnt. Dort sind nur Privatverkäufe erlaubt und ihr könnt auch Hilfe zur Passform bekommen. Die Gruppe ist ein geschützter Raum, zu der Cis-Männer keinen Zutritt bekommen. So werden zudem passende BHs auch Personen zugänglich, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind. Allen, die keinen Facebook-Account haben, geben wir gerne Tipps und nennen andere Anlaufstellen.
  • Wir bieten möglichst wenig Wäsche aus Baumwolle an. Die Verarbeitung von Baumwolle verbraucht sehr viel Wasser.
  • Wir versuchen, möglichst viele Artikel zusammengefasst zu bestellen. Das spart alles Mögliche.
  • Unsere analoge Korrespondenz führen wir ausschließlich auf recyceltem Papier. Fast unser kompletter Versand funktioniert inzwischen mit wiederverwertetem Verpackungsmaterial.

Natürlich habe ich mir auch überlegt, dass man als einzelne Person oder Mini-Unternehmen wenig ausrichten kann. Dass das alles Peanuts sind. Dass es viel mehr bringt, wenn große Unternehmen politisch reguliert werden. Aber was ist die Alternative? Zusehen und weitermachen ist für mich keine Option, sondern jeden Tag im Kleinen Routinen anzupassen, so dass wir immer klimafreundlicher werden. Indem wir unser Verhalten immer wieder überdenken und etwas ausprobieren, werden zunächst unbequem erscheinende Wege Normalität. Lasst uns alle gemeinsam viele kleine Schritte machen. Unsere Erde hat es nötig.

Weitere Informationen zur Klima-Demo in Hannover findet ihr auf der Internetseite von Fridays for Future Hannover oder unter #allefürsklima. In Hannover wird es einen Sternmarsch geben, d.h. die Demonstration startet an verschiedenen Punkten und sammelt sich dann im Zentrum. Wir gehen am Braunschweiger Platz los. Wir sehen uns!

Autor:

Ich bin Anne-Luise, 34 Jahre alt und Bra-Fitterin aus Leidenschaft. Was 2010 als Hobby bei www.busenfreundinnen.net angefangen hat, wurde Ende 2012 zu meinem Beruf. Mit meinem Unternehmen BH LOUNGE biete ich persönliche BH-Größenberatung in Hannover. Leider kursieren in Deutschland viele Mythen rund um den BH und das Angebot an passenden Schnitten und Größen ist eher übersichtlich. Das möchte ich gerne ändern.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist klasse. Danke für all eure Anstrengungen.

    Lieber Gruß Muriel

    Antworten

  2. Liebe Anne,

    ja, ja, ja und nochmals ja – 100% agreed .
    Ich finde das so toll, wie du das machst

    Jede_r, zumindest in unserer wohlhabenden westlichen Welt, kann, nein muss etwas tun.
    Ich bemühe mal ein afrikanisches Sprichwort:
    „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orte, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

    #allefürsKlima – wir sehen uns ✊ <3

    Liebste Grüße
    Kirsten

    Antworten

    • Ja, es ist so wichtig, dass wir uns alle verantwortlich fühlen und nicht denken, die andern müssen was tun.

      Antworten

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